Intersexuelle Korrespondenz? Gebt euch einen Ruck oder werdet bestraft

Die Deutsche Bahn wurde verklagt und hat verloren. Es ging darum, dass eine Transperson nicht mit der richtigen Anrede angesprochen wurde. Die Bahn benutzte immer die Anrede „Herr“ und hatte auf Beschwerde der betroffenen Person nicht reagiert. Die Transperson bekam vor Gericht Recht, 1.000 Euro Schadensersatz wegen der damit einhergehenden psychischen Bealstungen und die Bahn bekam sechs Monate Zeit, ihr Buchungssystem umzustellen. Sie muss entweder das Anreden grundsätzlich lassen, oder neben Herr/Frau weitere Anreden anbieten.

Gut so. Dass viele Unternehmen und Organisationen die richtige Anrede oder die Verwendung des richitgen Pronomens immernoch nicht hinbekommen, ist ein Unding und vor allem für die Menschen, die dadurch ignoriert werden, eine Dauerbelastung. Wer für die passende Anrede kämpft, kämpft um die Wahrnehmung der eigenen Identität. Wie kommt es, dass es immernoch so viele Einrichtungen und Unternehmen gibt, die Menschen, die Auswahl nach einem dritten Geschlecht oder einfach nach „divers“ verwehren? Darunter auch zahlreiche Onlineportale, etc.?

Es ist nicht nur moralisch fragwürdig ist, Transpersonen wie Unsichtbare zu behandeln; es kann auch handfeste juristische Konsequenzen haben. Da ist es doch besser, sich ein wenig Mühe zu geben, online einen Leitfaden für „gendergerechte Sprache“ oder „intersexuelle Korrespondenz“ zu suchen und zu befolgen. Es ist eine Frage des Respekts und ein demokratischer Akt, alle Menschen inklusiv mitzudenken; auch wenn Vielfalt organisatorisch herausfordernd sein kann. Es lohnt sich alle Geschlechter abzubilden, denn es nimmt niemandem etwas weg, sondern befreit alle.

Und ganz nebenbei ärgert man durch intersexuelle Korrespondenz auch noch den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der sagte in seiner Rede kurz vor der volkerrechtswidrigen Annexion ukrainischer Gebiete vor der russischen Elite: „Ich spreche alle Bürgerinnen und Bürger Russlands an. (…) Wollen wir etwa, dass wir hier in unserem Land, anstatt Mama und Papa Elternteil 1 und Elternteil 2 sagen? Seid ihr bekloppt? Wollen wir, dass unsere Kinder in der Grundschule das aufgedrückt bekommen; etwas, das zum Aussterben führt? Dass es kein Mann und Frau gibt, sondern noch ein anderes Gender? Das man sich auch operieren kann, um das Geschlecht zu wechseln? Wollen wir das etwa? Für unser Land und unsere Kinder? Nein, dass ist für uns nicht akzeptabel.“ Man kann sich vorstellen, dass sich im Schatten des Angriffskrieges die Situation von LGBTQ*-Personen in Russland noch weiter verschärft hat. Auch in Deutschland ist noch viel zu tun. Es gibt zwar bereits zwei Transpersonen im Deutschen Bundestag, aber durch die Abschaffung des Transsexuellengesetzes wäre noch mehr erreicht.

LGBTQ*-Menschen spüren in den meisten Gesellschaften einfach früher, wie weit ein Staat in das Privatleben hineinregieren kann, indem er bestimmt, wenn du lieben und wer du sein darfst. Dabei beziehen sich die Unterdrücker*innen meist auf traditionelle Werte und Einstellungen. Den Patriarchen freuts und die Übermännlichen, die sich in ihrer sexuellen Identität angegriffen fühlen, klatschen Applaus. In Russland ist es, wie in allen anderen totaitären Systemen: erst werden die diskriminiert, die anders sind als alle und dann sind alle dran, was der Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit einhergehenden innerrussischen Gesetzesänderungen eindrücklich beweist. Wer die Freiheit von anderen verteidigt, verteidigt also immer auch die eigene Freiheit.

 

 

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