Mittelerde nicht den Rechten überlassen

2002 gab es den Vorwurf gegenüber Regisseuer Peter Jackson er bediene mit seiner Darstellung von Elben, Orks und Hobbits rassistische Vorurteile. Nun hat Italien mit Giorgia Meloni demnächst eine Ministerpräsidentin, die bekennende Tolkien-Begeisterte ist und bereits 1981 ein „Hobbit-Camp“ für neofaschistische Jugendliche besuchte. Schöne Landschaften, weiße Elben und böse dunkelhäutige Orks passen offenbar gut in das Weltbild der „Neuen Rechten“.
Man kann Tolkiens Bücher aber auch anders lesen, nämlich als Plädoyer „für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur, ein antimaterialistisches Weltbild, für transnationale Solidarität und die Hinterfragung klassischer Rollenbilder. Nicht ohne Grund etablierten sich Tolkiens Werke in den 1960er- und 1970er-Jahren als Kultbücher der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung“, schrieb Friedrich Weißbach in der Juli-Ausgabe des Philosophie Magazins.
Als die neue Fantasy-Serie „Die Ringe der Macht“ massiv rassistisch angegangen wurden, weil einige Darsteller*innen „People of Color“, also nicht-weiße Menschen, sind, hat der Cast auf Twitter geschrieben: „Wir weigern uns, es zu ignorieren oder zu tolerieren. JRR Tolkien erschuf eine Welt, die per Definition multikulturell ist. Eine Welt, in der freie Völker unterschiedlicher Ethnien und Kulturen sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, um die Mächte des Bösen zu besiegen. […] Unsere Welt ist nie ausschließlich weiß gewesen, Fantasie ist nie ausschließlich weiß gewesen, Mittelerde ist nicht ausschließlich weiß.“
Wie der Cast der Serie sollten nun auch die Europäer*innen zusammenstehen und klare Kante zeigen gegen Rechts. Denn, wie schreibt Weißbach weiter: „Um Sauron zu trotzen, müssen die Gemeinschaften zusammen kämpfen und fest eingefahrene Feindschaften, Vorurteile und Ressentiments überwunden werden. Das Böse, so die moralische Botschaft des Werkes (Herr der Ringe, Anm. d. Verf.) , kann nur vereint besiegt werden. Symbolisch dafür steht die Gemeinschaft der Gefährten“.

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