Wer sich nicht wehrt…

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft handelt ein Artikel mit der Überschrift „(Un-) Politische Jugend?“ von der aktuellen Shell-Studie, in der offenbar steht, dass sich Jugendliche wieder mehr für Politik interessieren. Das ist eine gute Nachricht. Was mir aufstößt, ist die Verwendung des Wortes „politisch“. Kann man überhaupt unpolitisch sein? Welches Wort ist stattdessen angebracht?

Ich beginne mit der Frage: Kann ein Jugendlicher unpolitisch sein? Was bedeutet „politisch“ in diesem Zusammenhang. Wenn ich einen Jugendlichen fragen würde: „Bist du politisch?“ Was würde er antworten? Wie misst man das „politisch sein“ eigentlich? Wann betätigt man sich „politisch“? Bin ich politisch, wenn ich einkaufe? Bin ich politisch, wenn ich nicht einkaufe? Bin ich politisch, wenn ich wählen gehe? Bin ich politisch, wenn ich nicht wählen gehe? Bin ich politisch, wenn ich ein Kind zeuge? Bin ich politisch, wenn ich kein Kind zeuge? Wann ist man politisch? Meine Antwort: immer. Jede Handlung und jede Nicht-Handlung ist politisch. Das eigentlich interessante ist: handle ich bewusst?

Meiner Meinung nach ist alles politisch, aber nicht jeder Mensch„politisiert“. Die richtige Frage müsste also lauten: „Wie politisiert ist die Jugend?“. Jede Tat und jede Handlung ist eine politische Handlung. Das „Nicht-Wählen-Gehen“ genauso wie das „Nicht-aus-der-Kirche-austreten“ oder das „Keine-Kinder-bekommen“. Wir eine Handlung mit einem politischen Vorsatz ausgeführt, wid sie von einem politisierten Charakter ausgeführt. Wenn ich etwas nicht kaufe, weil ich weiß, dass es durch Kinderarbeit produziert worden ist, ist das die Handlung eines politisierten Konsumenten oder Konsumentin. Kaufe ich etwas, obwohl es durch Kinderarbeit hergestellt worden ist, hat auch das Konsequenzen und ist selbstverständlich eine politische Handlung. Der Mensch, der sich selbst als unpolitisch bezeichnet, weist einen solchen Zusammenhang von sich – entweder, weil er ahnungslos und damit bewusstlos ist, oder weil er versucht durch Verdrängung vor seiner Verantwortung als handelndes Subjekt zu flüchten. Ein Mensch, der bewusstlose oder ignorant handelt ist alles, aber nicht unpolitisch.

Der politisierte Mensch versteht sich als Subjekt im politischen Raum und dieser Raum ist eben überall. Weil der Politisierte das weiß, kann er den politischen Raum verändern. Er geht wählen. Er kandidiert für Wahlen. Er fragt den Polizisten nach seinem Ausweis und vieles mehr. Niemand kann sagen, er oder sie hätte nichts mit Politik am Hut, denn sie hat die Menschen am Wickel. Sie hat etwas mit jedem Menschen zu tun (Punkt). Die wichtige Frage, die sich Jugendliche angesichts dieser Tatsache stellen sollte ist, wie sie damit umgehen. Denn ein Mensch, der unpolitisch sein will und nicht versucht, Zusammenhänge zu verstehen, degradiert sich selbst zum Objekt und wird Spielball der Politisierten bleiben. Früher sagte man dazu: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.“

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