Zum Tod von Prof. Dr. Christian Sigrist – Bis zuletzt gegen Wilhelm II.

Christian Sigrist bei einer antimilitaristischen Veranstaltung der Grünen in Marl: Thema war die Militarisierung der Hochschulen.
Christian Sigrist, Foto: Rostek

Der Soziologe Christian Sigrist war nicht nur ein kritischer Intellektueller und engagierter Lehrer und Wissenschaftler, wie die Westfälische Wilhelms-Universität heute in einer Pressemitteilung schreibt; er war einer der größten Kritiker der Benennung der Wilhelms-Universität Münster nach Kaiser Wilhelm II. und lehnte diesen Namen bis zuletzt ab. So führte Christian Sigrist im Jahr 1997 in der Debatte um die Umbenennung der Westfälischen Wilhelms- Universität als Mitglied einer entsprechenden Universitätkommission in einer Vorlage („Wilhelm II. Und der Antisemitismus – Vorlage für die Universitätskommission: Namensänderung der WWU?“, hier als pdf) aus, dass durch die Person Wilhelm II. eine antisemitische und rassenideologische Gesinnung „die Machtmittel hatte, die aus dem Rassenwahn hervorgehenden Vernichtungsphantasien wenigstens in den afrikanischen Kolonien zu realisieren„. Rassistische Ideologie und Militärismus hätten sich, so Sigrist, in der wilhelminischen Kolonialpolitik „verhängnisvoll kombiniert.“

Christian Sigrist macht in seiner Schrift Wilhelm II. direkt für den „versuchten Genozid an den Herero und den versuchten Ethnozid an den Nama im deutschen Schutzgebiet Südwestafrika“ verantwortlich. Erst auf Drängen des damaligen Reichskanzlers Bülow, sei Wilhelm II. überredet worden, den „Ausrottungsbefehl“ abzumildern. Laut Schätzungen, schreibt Sigrist, hätten nur ein Drittel der Herero die Vernichtung überlebt.

„Dass der Krieg die Herero als Nation nicht definitiv auslöschen konnte, ändert nichts daran, dass dieses Ziel verfolgt und vom Kaiser selbst gebilligt wurde. Auch das schlechte Beispiel, das andere Kolonialmächte gaben, z.B. die Briten im Burenkrieg, mindert die persönliche Schuld des Kaisers nicht“, so Sigrist und schließt seine Schrift mit dem Satz: Dass diese Phantasien zur vernichtenden Gewalt wurden in einer den Kaiser mit Schuld beladenden Weise schließt aus, dass die Universität Münster im Bewusstsein dieser Zusammenhänge weiterhin seinen Namen trägt.

Keine Frage, dass dieser Satz heute noch gilt. Traurige Tatsache: Die Universitätskommission zur Umbenennung der Universität Münster sprach sich mit 6:4 Stimmen für die Umbenennung aus (siehe iley-Artikel). Die Entscheidung darüber ließ der Senat jedoch im Sande verlaufen, „bis das Rektorat die Sache endgültig für erledigt erklärte“.

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