Wer den Bahnhaltepunkt Albachten regelmäßig nutzt, kennt die Probleme nur zu gut. 🚉
Ich habe deshalb recherchiert, wie es mit der bereits beschlossenen Modernisierung eigentlich steht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Aktuell (Stand heute) steckt das Projekt noch in der allerersten Planungsphase.
Gemeinsam mit der GRÜNEN Landtagsabgeordneten Dorothea Deppermann habe ich daher einen Brief an den NWL und die Deutsche Bahn verfasst. Darin beschreiben wir die Situation vor Ort und machen deutlich, wie dringend der Haltepunkt modernisiert werden muss.
Den Brief könnt ihr unten im Artikel nachlesen.
Und klar ist: Sollte ich zum Ratsherren für Albachten gewählt werden, bleibe ich selbstverständlich an diesem Thema dran. 💪
Betreff: Modernisierungsbedarf am Bahnhaltepunkt Münster-Albachten
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Jahr 1876 erhielt Albachten einen eigenen Bahnhof an der wichtigen Hauptstrecke Wanne-Eickel–
Hamburg. Später wurde er zum Haltepunkt herabgestuft. Seit der Umbenennung im Jahr 2005 trägt er
den offiziellen Namen „Münster-Albachten“. Er liegt an der zweigleisigen, elektrifizierten
Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, einer der bedeutendsten Nord-Süd-Magistralen.
Der Haltepunkt ist für die Anbindung des Stadtteils sowohl in Richtung Münster als auch in Richtung
Ruhrgebiet / südliches Münsterland von zentraler Bedeutung und hat sich im Laufe der Jahrzehnte
insbesondere für Pendler*innen zu einem wichtigen Mobilitätsknoten entwickelt. Auch das
nahegelegene Gewerbegebiet Albachten-Steinbrede profitiert davon. In Albachten selbst entsteht
aktuell ein neuer Stadtteil, was die Nutzung des Haltepunktes weiter erhöhen dürfte.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Stadt Münster das Bahnhofsumfeld mit einer Mobilstation
aufgewertet hat. Dazu gehören Bike-&-Ride- und P+R-Angebote sowie eine verbesserte
Busanbindung. Dennoch bleiben die gravierenden Mängel am Bahn-Haltepunkt bestehen, die die
Nutzung für viele Menschen erheblich einschränken – und die auch bereits zu berechtigten Protesten
von Anwohner*innen geführt haben.
Am Haltepunkt Münster-Albachten sehen wir konkret folgende zentrale Probleme:
1. Fehlender barrierefreier Bahnsteigwechsel
Die Personenunterführung ist ausschließlich über Treppen erreichbar. Für Menschen mit
Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder schwerem Gepäck bedeutet dies, dass sie keine direkte
stufenfreie Querung nutzen können. Stattdessen bleibt nur der beschwerliche Umweg über die
Osthofstraße (ca. 1 km mit Steigung), der mindestens 10 Minuten zusätzlich in Anspruch nimmt.
2. Zu niedrige und schmale Bahnsteige
Die Bahnsteige sind sehr schmal, was insbesondere beim Durchfahren von Schnellzügen gefährlich ist
– vor allem für kleine Kinder, die durch den Fahrtwind gefährdet werden. Zudem fehlen ein taktiles
Blindenleitsystem sowie eine ausreichende Bahnsteighöhe. Der Einstieg in die Züge liegt deutlich
höher (über 30 cm über dem Boden), was weder barrierefrei ist noch den Bedürfnissen von Menschen
mit Gehbehinderung, Älteren, Kinderwagen, Fahrrädern oder schwerem Gepäck entspricht.
3. Überlastete Hauptstrecke – häufige Verspätungen und Ausfälle
Der Abschnitt Wanne-Eickel–Münster wurde am 1. Dezember 2020 offiziell als „überlasteter
Schienenweg“ eingestuft (Q1). Für die Fahrgäste in Albachten bedeutet das, dass Verspätungen und
Zugausfälle zum Alltag gehören. Hinzu kommt, dass die Zugtaktung zugunsten des Fernverkehrs
angepasst wurde, wodurch der Regionalverkehr benachteiligt ist. Die Folge sind längere Wartezeiten,
insbesondere dann, wenn Anschlussbusse bereits abgefahren sind.
Geplante Modernisierung
Nach den aktuellen Standards der Deutschen Bahn sowie gemäß EU-Richtlinien muss ein stufenfreier
und direkter Zugang zu jedem Bahnsteig gewährleistet sein – beispielsweise über Aufzüge, Rampen
oder geeignete Übergänge. Entsprechend war die Freude groß, als bekannt wurde, dass auch für den
Bahnhaltepunkt Albachten eine Modernisierung vorgesehen ist.
Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2018 (Q2) empfiehlt für Albachten den Einbau von Aufzügen
in der Unterführung beziehungsweise eine andere Form der stufenfreien Querung. Außerdem schlägt
sie die Anhebung der Bahnsteige sowie die Ausstattung mit einem taktilen Leitsystem vor.
Die DB setzt derzeit ein bundesweites Programm für „weitreichende Barrierefreiheit“ in den Jahren
2020–2025 um (Q3). Dieses definiert Standards, benennt jedoch keine konkreten Termine für den
dringend notwendigen Umbau in Münster-Albachten. Nach Auskunft der Stadtverwaltung Münster
wird aktuell im Rahmen einer Vorratsplanung des NWL geplant. Aktuell (Stand 4.9.25) befinde man
sich kurz vor Abschluss der Leistungsphase 2. Die Bahnsteige würden mit einer Höhe von 76 cm und
einer Baulänge von 220 m geplant. Das barrierefreie Wechseln der Bahnsteige solle über eine neue
Personenunterführung entweder über Aufzüge oder Rampen erfolgen. Hier stünde die finale
Entscheidung noch aus. Anschließend werde mit den Leistungsphasen 3-4 begonnen.
Die weiteren Planungsphasen sowie die Baukosten seien aktuell nicht finanziert. Angestrebt werde
eine Bundes- bzw. Landesförderung. Auch deshalb gäbe es noch keinen konkreten Termin für eine
bauliche Umsetzung.
Die Auskunft lässt darauf schließen, dass unter diesen Bedingungen der Baubeginn frühestens im Jahr
2027 und die Fertigstellung frühestens 2030 stattfindet. Das ist angesichts der Geduld, die die
Menschen vor Ort bereits aufgebacht haben, der großen Bedeutung des Haltepunkts für die
Pendler*innen und den Umständen vor Ort, mit Verlaub, zu lang. Wir bitten entschlossen darum,
• die Möglichkeiten einer schnelleren Umsetzung beispielsweise durch die Parallelisierung von
Planungsphasen zu prüfen,
• eine höhere Priorisierung der Maßnahmen vorzunehmen sowie
• die Sicherstellung der Finanzierung auch durch Förderprogramme des Landes und des Bundes
schnellstmöglich abzuklären, so dass bereitstehende Mittel zeitnah abgefragt werden können.
Alle Akteure (Land/Bund, NWL, die Stadt Münster und die DB) müssen gemeinsam schnellstmöglich
sicherstellen, dass dieser wichitge Verkehrsknotenpunkt in Albachten der Bedeutung der
Verkehrswende, des Klimaschutzes und der UN-Behindertenrechtskonvention und den Anforderungen
an Barrierefreiheit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit gerecht wird.
Wir danken für Ihren Einsatz. Für Gespräche stehen wir jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dorothea Deppermann (MdL, GRÜNE) und Jörg Rostek (GRÜNER Direktkandidat Albachten)
Quellen:
(Q1) Plan zur Erhöhung der Schienenwegkapazität (PEK) für den als überlastet erklärten Schienenweg
Gelsenkirchen Hbf – Münster Hbf,
Link: https://www.dbinfrago.com/resource/blob/12220704/e8d76b2ac93466164307ca1038d9515c/pek
_strecken_2200_2650_Gelsenkirchen-Muenster-data.pdf
(Q2) Machbarkeitsstudie zum barrierefreien Ausbau von drei Bahnhaltepunkten in Münster
Münster-Albachten, Münster-Sprakel und Münster-Amelsbüren, Link: https://www.stadt-
muenster.de/ms/barrierefreie-bahnhaltepunkte-machbarkeitsstudie.pdf
(Q3) InfraGo: Barrierefreie Bahnsteige und Zuwegungen in Personenbahnhöfen, Link:
https://www.dbinfrago.com/web/bahnhoefe/bahnhofs-und-stadtentwicklung/Barrierefreie-Bahnsteige-
und-Zuwegung
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