Stadtrundgang mit Flüchtlingsfrauen

K800_Stadtrundgang mit Flüchtlingsfrauen

Wer in Münster einem Stadtrundgang lauscht, hört sehr oft das Wort Krieg. Und dann war Krieg…dann schon wieder Krieg…und dann noch ein Krieg. Krieg. Krieg. Krieg. Von christlichen Kolonialkriegen über den 30-jährigen Krieg bis hin zu den beiden Weltkriegen; überall religiös motivierte oder religiös-kaschierte politische Konklikte, langwierige Belagerungen, teritoriale Eroberungsfeldzüge, Massenmord und brutaler Totschlag. Wären da nicht die Anmerkungen über Architektur, über diese oder jene eingerissene – weil als überflüssig empfundene – Mauer , der gelungene Wiederaufbau und das Wissen um den Frieden seit 1945; ein Stadtrundgang in Münster ist – hört man genau hin – eine Horrorschow. Die Geschichte Europas halt.

Und da steht man dann – gemeinsam mit vor Krieg geflüchteten Frauen, Einheimischen, zwei Übersetzerinnen und Übersetzern und einer Stadtführerin – und es ist die Rede von dem Übel, vor dem die Frauen geflohen sind: von Krieg. Aber überstandenem Krieg. Und man möchte sagen: „Seht hin, das schafft ihr vielleicht auch“, wenn nicht klar wäre, dass die Deutschen von den Alliierten zum Frieden gezwungen werden mussten, Europa den Krieg nicht überwunden, sondern nur an den Rand seines Territoriums verbannt hat und innerhalb Europas (wegen Flüchtlingen!) jetzt wieder Stacheldrahtzeune hochgezogen werden, um Notleidende abzuschrecken, aufzuhalten, abzuweisen und in dem die Verletzung essentieller Menschenrechte mit politischer Entschlusskraft verwechselt wird.

Als ich darüber nachdenke, wie es für mich wohl wäre, als in ein muslimisch geprägtes Land Geflüchteter an einem Stadtrundgang teilzunehmen und dort dann innerhalb von 15 Minuten 4 Moscheen gezeigt werden, muss ich schmunzeln. Ich wäre vielleicht misstrauisch und könnte vermuten, man wolle mich missionieren. Eine Vorstandskollegin des Integrationsforums Flüchtlinge Münster, dem Verein, der den Stadtrundgang organisiert hat, hat den Flüchtlingsfrauen diverse Broschüren mitgebracht. Darunter auch Infos über das münsteraner Frauenhaus als Schutzraum gegen häusliche Gewalt. Das veranlasst eine Flüchtlingsfrau zu dem Kommentar, dass man diese Broschüren eher den Männern zeigen müsste. „Recht hat sie“, denke ich und schmunzle. Ein Stadtrundgang mit Flüchtlingen ist also voller Eindrücke. Wenn das Integrationsforum wieder einen anbietet, bin ich vielleicht wieder dabei.

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