Wilhelms-Uni untersagte Bewerbung der Kommunalwahl

Mit Fotos wie diesem mobilisierten der Jugendrat der Stadt Münster und der Verein Mehr Demokratie für die Kommunalwahl 2014
Mit Fotos wie diesem mobilisierten der Jugendrat der Stadt Münster und der Verein Mehr Demokratie für die Kommunalwahl 2014

Von Demokratieförderung hält die Hochschulleitung der Uni Münster offenbar wenig. Schon wieder hat die Wilhelms-Uni versäumt, Studierende zu demokratischem Handeln zu motivieren, indem sie es dem Jugendrat der Stadt Münster und dem Verein Mehr Demokratie untersagte, auf dem Schlossbalkon symbolisch zur Kommunal- und Europawahl aufzurufen. Ein eigens dafür angebrachtes Transparent musste auf Geheiß der Hochschulleitung wieder entfernt werden.

An zahlreichen Orten, am Aasee, vor dem Dom und sogar im Kinokomplex Cineplex waren bereits solche Mobilisierungsfotos entstanden; sie zeigten Mitglieder des Jugendrates und mich, wie wir gemeinsam versuchen junge Münsteranerinnen und Münsteraner für die Kommunal- und Europawahl zu begeistern. In vielfältigen unterhaltsamen Posen hielten wir ein Transparent in die Höhe auf dem stand: „Jugendliche von Münster, geht wählen!“

Wir wollten nur ein Foto schießen und dieses in beliebten sozialen Netzwerken verbreiten, so dass möglichst viele junge Menschen wählen gehen. Schließlich war unser Ziel spontan auch der Schlossbalkon. Doch als Jugendrat und ich als Vertreter des Vereins „Mehr Demokratie“ das Transparent am 23. Mai 2014 mit der Erlaubnis des Schloss eigenen Hausmeisters (!) auf dem besagten Balkon anbringen wollten, schritten die Hochschulleitung in Person der Prorektorin für Lehre und studentische Angelegenheiten und des Kanzler der Universität höchstpersönlich ein.

Zuerst ließen sie uns das Transparent nochmal aufhängen, weil sie wissen sollten, was darauf stand. Soweit konnte ich das ja noch nachvollziehen. Aber als die es dann wussten, haben sie uns verboten das Foto zu verwenden. Die Hochschulleitung warf den Mitglieder des Jugendrates und mir vor, keine offizielle Genehmigung eingeholt zu haben, was auch stimmte. Da ich beide, Prorektorin und Kanzler persönlich kenne – schließlich war ich Senator an der Uni Münster gewesen und hatte oft mit beiden zu tun – haben wir das sofort vor Ort nachgeholt. Ich hätte in diesem Moment (fast alles) unterschrieben, um den offiziellen Weg einzuhalten. Und wir hofften, da es um etwas Selbstverständliches gegangen war, nämlich um einen einfachen Aufruf zur Kommunal- und Europaparlamentswahl, dass die Uni da ein Auge zudrücken würde – aber vergeblich.

Das Ereignis hat mich sehr bewegt. Schon wieder hat mich die Universität Münster nachhaltig enttäuscht. Es stimmt mich nachdenklich, dass das Schloss regelmäßig durch Großkonzerne und anderen gesellschaftliche Akteure genutzt werden darf, nur wenn ein Jugendrat zu einer Wahl aufrufen möchte, dies eben nicht genehmigt bekommt. Denn es muss doch klar sein: Die Stärkung und Entwicklung der demokratischen Kultur Bedarf der gezielten Förderung und Entwicklung durch Bildung. Allein totes Wissen über Verfassungen, Gesetzgebungen sowie Geschichte und institutionelle Ausformungen der Demokratie zu vermitteln, reicht bei Weitem nicht aus, um demokratische Werte aufrecht zu erhalten oder gar zu vermitteln. Schon lange mache ich auf die Schwäche der demokratischen Kultur der Westfälischen Wilhelms-Universität aufmerksam („Uni verweigert Auftrag zur demokratischen Willensbildung“ / Link zum Artikel vom 30.07.13). Zivile Tugenden und demokratische Werthaltungen erzeugen wir nicht durch demokratische Strukturen oder Institutionen wie Parlamente und Verfassungen, sondern durch deren Ausübung in öffentlichen Räumen wie Schulen und Hochschulen.

Der Universität fehlt ein durchgängiges demokratie-pädagogisches Konzept und offenbar Vorbilder, die demokratische Werte vorleben und repräsentieren. Die Hochschulleitung vernachlässigt ihren demokratischen Bildungsauftrag sträflich und stiehlt sich bequem aus der Verantwortung, in dem sie sich auf Formalia zurückzieht. Die Folgen sind schädlich und schändlich, denn die Uni Münster lässt so überwiegend Studierende zurück, die vielleicht irgendwann einmal den Abschluss haben, aber weder demokratische Kompetenzen besitzen, noch ein Gefühl für Gemeinsinn und gesellschaftliche Verantwortung.

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