Meine Rede zur Jahresendfeier der GRÜNEN in Münster

Liebe Freund*innen, ich freue mich, dass ihr heute alle da seid. Ein anstrengendes politisches Jahr geht zu ende und ein noch anstrengenderes Jahr liegt vor uns.

Wir werden viel zu ertragen haben; beispielsweise einen US-Präsidenten Donald Trump. Und wir werden gleichzeitig viel zu tragen haben, nämlich einen Bundestagswahlkampf, einen Kommunalwahlkampf und das normale Leben, das gibt es ja auch, wird dabei weiterlaufen und viele von uns werden diese ganze Arbeit trotzdem leisten, in ihren Alltag integrieren und dafür möchte ich schon jetzt Danke sagen.

Danke an alle Ehrenamtlichen und ihre nächsten Angehörigen und Partner*innen, denn sie sind ein Teil des wichtigen Fundaments, auf dem wir alle stehen und die uns als politisch Aktive die Freiheit geben, überhaupt politisch tätig zu sein. Ihnen gilt ein ganz besonderer Dank.

Als politisch Aktive bringen wir gewaltige Opfer. Lebenszeit, Gemeinsamzeit, Gehalt, Hobbys, Freund*innen, Familie; das stemmt man nur, wenn man zuversichtlich ist, zuversichtlich, dass sich die Arbeit, die man leistet, auch lohnt. Dass die Arbeit wertgeschätzt wird. Dass sie einen selbst voranbringt und bereichert, aber auch dieses Land und anderen Menschen hilft. Das man sagen kann: „Das habe ich gemacht, mitgemacht und das ist gut so“.

Die einen reden von der Reform des Arbeitsmarktes, von Leistungsorientierung, von der Reduktion von Arbeitskosten, von Bürokratieabbau und von mehr Entlastung in der Steuerpolitik. Und wenn ein Friedrich Merz so etwas sagt oder ein Christian Lindner, dann wissen wir, was sie meinen. Alles schon dagewesen. Alles schon gehört. Alles von gestern. Da werden wir ein gehöriges Wörtchen mitreden und durch unseren Einsatz bei dieser Bundestagswahl das Schlimmste verhindern.

Sie können vom Gestern oder von ihrer eigenen konservativen „Normalität“ träumen, aber die Zukunft wird gewinnen, weil sie unweigerlich alle bestrafen wird, die im Gestern leben. Selbst Stillstand bedeutet hier Rückschritt.

24 Jahre war Assad in Syrien an der Macht. Es war eine schreckliche und verachtenswerte Diktatur. Deutschland kennt sich aus mit Diktaturen und wie man aus dem Schatten von Diktaturen heraustritt. Deutschland kann Syrien auf vielen Ebenen helfen. Das ist jetzt das Gebot der Stunde. Aber wenn CDU/CSU und AfD und Teile der FDP schon wenige Stunden nach dem Fall Baschar al-Assads von der Rückführung von Geflüchteten schwadronieren, dann zeigen sie nur, wie zukunftsunfähig sie eigentlich sind und wie unfähig, die Menschen und Geschichten hinter den Geflüchtetenzahlen zu sehen.

Viele Geflüchtete sind seit mehr als 10 Jahren in Deutschland. Viele haben hier Ansehen erlangt, einen guten Job, eine Familie gegründet. Wäre ich nach Deutschland geflüchtet und hatte hier zwei Kinder im Alter von 6 und 8 Jahren; ich würde mir gut überlegen, wo ich sie in die Schule schicken möchte und wo sie eine bessere Zukunft haben. Wo ein Leben für meine Familie und mich zuversichtlicher wäre.

Und da ist es wieder. Dieses große Wort: Zuversicht. Wir werden es im Bundestagswahlkampf auf vielen GRÜNEN Wahlplakaten stehen sehen. Aber Zuversicht muss begründet sein. Sie braucht einen Grund. Ein Fundament. Zuversicht hängt von den Lebensumständen ab. Von Erfahrungen. Von Enttäuschungen.

Wir kennen das alle. Wir stehen am Gleis und warten auf den Zug. Wir würden da nicht stehen, wenn wir nicht wirklich glauben würden, dass der zug auch kommt. Bei einer Werbekampagne der Bahn würde das „Zu(g)versicht“ heißen. Aber was macht es mit uns, wenn der Zug regelmäßig zu spät ist oder oft gar nicht kommt. Wenn selbst die Bahn-App regelmäßig nicht stimmt und Durchsagen ausbleiben. Wir würden die Zuversicht verlieren und viele von uns würden auf das Auto umsteigen.

Wenn nach einen Bürgerkrieg eine Regierung einen bittet, die Waffen abzugeben, dann gehört schon eine gehörige Portion Zuverischt dazu, dies dann auch zu tun. Eine wichtige Voraussetzung dann, die einen glauben lässt, dass der Frieden hält ist Vertrauen und Zuversicht.

Zuversicht. Ein starkes Wort. Zuversicht ist die Schwester der Hoffnung. Zuversicht hilft uns Rückschläge zu übewinden und sie entsteht aus der Überzeugung, dass wir die Fähigkeit besitzen, Probleme selbst zu meistern und zu lösen. Zuversicht entsteht aus Widerstandsfähigkeit: „Wir haben das eine geschafft, dann werden wir auch das andere schaffen.“ Zuversicht entsteht durch Beziehungen. Durch Familie, Freund*innen und Gemeinschaften, auf die man sich verlassen kann. Zuversicht entsteht durch positive Erzählungen und Symbole, durch den Glauben an ein großes Ganzes. Durch eine optimistische Philosophie und durch bestimmte Rituale.

Zuversicht braucht Gründe. Diese sehe ich heute vor mir. In unserer Partei und in euch als politisch Aktive. In unseren Unterstützer*innen und Wähler*innen. Ihr weckt in mir Vertrauen und Zuversicht. Lasst und gemeinsam heute diese Zuversicht feiern und im Wahlkampf den Mut der Zuversicht mit den Menschen da draußen teilen.

– Es gilt das gesprochene Wort –

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