Eine Bettkantengeschichte aus der ‚le monde diplomatique‘

Kennt noch jemand die #Bettkantengeschichten? Ich habe neulich eine über den Schlaf gelesen. In der Aprilausgabe der le monde diplomatique steht geschrieben, dass die Menschen vor der Elektrifizierung der Städte einen anderen Schlafrhythmus gehabt hätten als heute. Sie wachten wohl mitten in der Nacht auf und waren dann einige Stunden wach. Zitat: „Die Menschen standen auf, um ihre Notdurft zu verrichten, zu rauchen oder sogar ihren Nachbarn einen Besuch abzustatten. Viele blieben auch einfach nur liegen, schliefen miteinander , beteten oder dachten über ihre Träume nach, die sich gewöhnlich kurz vor dem Erwachen aus diesem ‚ersten Schlaf‘ einstellten“, schreibt der Autor des Artikels, Roger Ekirch.
 
Weil in dieser mitternächtlichen Wachphase bestimmte Hormone ausgeschüttet werden würden, könne man, so Ekrich, diesen besonderen Bewusstseinszustand mit einer Meditation vergleichen.
 
Heutzutage wird es ja wegen der vielen Lampen kaum wirklich richtig dunkel. Das beeinflusst nicht nur die Tiere, sondern auch den Melatoninspiegel des Menschen, die Körpertemperatur und vieles mehr. Ich bin weder esoterisch noch ein Traumdeuter, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Nachteil für die innere Verfassung eines Menschen sein kann, einen Schlafrhytmus anzunehmen, der nicht dem natürlichen und über tausenden von Jahren antrainierten Schlafrhythmus entspricht.
 
Ekirch formuliert es anders. Er schreibt: „Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass die zeitgenössische Technik zwar in der Lage ist, das Innerste des Gehirns zu durchleuchten – doch indem sie die Nacht zum Tag macht, wohl ausgerechnet einen der ältesten Zugänge zum menschlichen Seelenleben verschüttet hat.“

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