Gespräche auf der BDK

Am Rande der Europa-Delegiertenkonferenz der GRÜNEN im schönen Leipzig – zwischen Programmentwurf und Kandidat*innenaufstellung zur Europawahl – nahm ich mir Zeit und unterhielt mich mit zahlreichen Ausstellerinnen und Ausstellern, die ihre Infostände in der Nachbarhalle aufgestellt hatten. Zwei Begegnungen möchte ich hervorheben.

Ich trat also an den Infostand der Sparkasse heran und hakte nach, wie das denn so sei mit einer nachhaltigen Anlagenpolitik und den Sparkassen. Schon lange fordere ich gemeinsam mit Fossil Free, dass die Sparkassen die Finanzwende vorantreiben, um zu gewährleisten, dass Unternehmen, die beispielsweise Waffen produzieren oder den Klimawandel vorantreiben, kein Geld mehr bekommen. Das betrifft die Kreditvergabepolitik. Es ist aber auch wichtig, dass in der persönlichen Anlageberatung der Sparkasse, sozusagen von Mensch zu Mensch, das Thema Nachhaltigkeit stärker gewichtet wird. Dabei soll nicht auf eine Risikoberatung verzichtet werden, aber einfach abzufragen, ob für die Kund*innen nicht auch Nachhaltigkeitskriterien eine Rolle spielen und Anteile von Fonds anzubieten, die lupenrein nachhaltig sind, sollte doch nicht so schwer sein.

Beides, eine nachhaltige Kreditvergabepolitik und eine nachhaltige Anlagenberatung der Sparkassen möchte ich gerne noch zu Lebzeiten erleben. Auch weil der Klimawandel weiter voranschreitet und es schon wichtig ist, womit eine Rendite erwirtschaftet wird. Eine faire und nachhaltige Wirtschaftsweise ist ein Schlüsselgarant für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und die Verteidigung der Menschenrechte. Deshalb wäre es auch zu begrüßen, wenn in der Personalausbildung der Sparkassen das Thema Nachhaltigkeit ebenfalls eine stärkere Bedeutung zukäme.

Nun, ich stieß bei den Sparkassenmitarbeitern vor Ort (siehe Foto) auf offene Ohren. Wir unterhielten uns lange und ich wurde gebten, gedultig zu sein. Daran würde mittlerweile gearbeitet. Offenbar gibt es einen internen Arbeitskreis der Sparkassen, der sich mit diesen Fragen beschäftigt. Ok, we’ll see. Es heißt dran bleiben. Geduld kann ich ganz gut.

Als Erinnerung an die freundlichen Sparkassenleute am Infostand schrieb ich in ihr Gästebuch: „Liebe Sparkassen, ich wünsche mir von euch lupenreine Nachhaltigkeitskriterien in eurer Anlageberatung und bei der Kreditvergabe. Kein Geld mehr für Kohle, Öl und Gas. Ihr schafft das! Lieben Gruß, Jörg Rostek.“

Die zweite Begegnung fand am Infostand der Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Denn ich gehe gerade einem neuen Hobby von mir nach. Ich frage Gewerkschaftsmitglieder, ob es ihnen nicht komisch vorkommt, dass jedes vierte Gewerkschaftsmitglied in Hessen und Bayern eine rechtspopulistische Partei gewählt hat und ich frage sie, was man dagegen tun kann. So auch in der Leipziger Messehalle. Ich traf auf eine erfahrene Gewerkschafterin, die diesen Umstand ebenso bedauerte wie ich. Sie betonte sogar, dass sie einen „Rollback“ in Sachen Gleichstellung von Frauen in den Betrieben wahrnehme. Zahlreiche Männer fühlten sich, vor allem wenn es um Karrierechancen gehe, von Frauen zunehmend bedroht und würden aggressiv. Die Stimmung sei in manchen Betrieben zunehmend antifeministisch. Ich schlug vor, die politische Bildungsarbeit des DGB stärker in den Betrieben zu verankern und auszuweiten – beispielsweise über die Betriebsräte. Und da schaut sie mich an und sagt, dass sie nicht glaubt, dass das eher nicht helfe, weil die Reichweite politischer Bildungsarbeit begrenzt sei. Ihr käme diese Tätigkeit vor, wie ein Frosch, der in einem Glas Milch zu ertrinken drohe. Sie hoffe aber, dass durch das strampeln des Frosches, die Milch geschlagen werde und sich der Frosch dann retten könne.

Ja vielleicht kann das so auch gehen. Aber leider gibt es da eine Partei, die von rechts populistische Milch nachschüttet, so dass der Frosch immer schneller strampeln muss.

Und so konnte ich leider in Leipzig keine eindeutige Lösung für die Kurzsichtigkeit mancher Gewerkschaftsmitglieder finden. Ich bin in dieser Angelegeneheit für jeden konkreten Vorschlag dankbar. Vielleicht kann man dem Frosch, um im Bild zu bleiben ja noch helfen aus dem Milchglas zu entkommen.

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