Schüler*innen des Schlaun-Gymnasiums in Münster haben mich gefragt, wie die GRÜNEN in Münster zum Thema Atomenergie in der Europäischen Union stehen. Ich habe die Frage gerne und – wie ich hoffe – eindeutig beantwortet.
Hallo liebe Schüler*innen des Schlaun-Gymnasiums Münster (Namen entfernt),
als GRÜNE in Münster haben uns jahrzehntelang für den Atomausstieg eingesetzt und haben uns sehr gefreut, dass die Bundesregierung mit GRÜNER Beteiligung am 15. April 2023 endlich den entscheidenden Schritt gewagt und die letzten deutschen Atomkraftwerke endgültig abgeschaltet hat.
Warum haben wir uns gefreut? Weil…
…Atomkraft teuer ist
Atomkraft ist eine teure und gefährlichen Hochrisikotechnologie, die mit radioaktiven Abfällen zig nachfolgende Generationen belastet. Das Durchschnittsalter der AKW in der EU liegt inzwischen bei über 35 Jahren. Die europäischen Atomkraftwerke sind zunehmend störanfällig. Das zeigen die Kraftwerke in Frankreich und Belgien mit vielen Ausfällen, hohem Wartungsaufwand und Sicherheitsrisiken. Auch deutsche AKW hatten immer wieder mit Zwischenfällen zu kämpfen und mussten heruntergefahren werden. Der Atomausstieg schafft also mehr Sicherheit – und Zuverlässigkeit. Denn schon heute steht Atomstrom infolge von Störungen und Wartungsarbeiten im Durchschnitt mehr als 20 Prozent der Zeit nicht zur Verfügung. Das ist ein (negativer) Rekord im Vergleich zu anderen Stromquellen.
…Atomkraft nicht nachhaltig ist
Die Gesamtkosten von Atomstrom – vom Bau der Kraftwerke bis hin zur (weiterhin ungeklärten) Endlagerung über Jahrhunderte – sind enorm. Die öffentlichen Kosten der Atomenergie, darunter Zwischenlagerung und Rückbau, beliefen sich allein im Bundeshaushalt 2022 bereits auf rund 1,8 Milliarden Euro. Auch im Betrieb sind AKW teuer, etwa aufgrund von Ausfallzeiten und Wartungskosten. In der Tat war Atomkraft immer schon auf erhebliche staatliche Subventionen angewiesen, um wettbewerbsfähig zu sein. Der Atommüll, der in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland angefallen ist und bei den Stilllegungen noch entstehen wird, ist, wie wir Grünen seit Beginn der nuklearen Stromproduktion dargestellt haben, ein ungelöstes Problem. Die hochradioaktiven Abfälle sind real vorhanden und werden dauerhaft für die Menschen und die Umwelt durch ionisierende Strahlung gefährlich sein.
…Atomkraft unzuverlässig ist
Heiße Sommer und Trockenheit führen dazu, dass AKW schlechter oder gar nicht mehr gekühlt werden können – und deshalb immer wieder herunter geregelt werden müssen. Siehe Frankreich: Hier waren 2022 zeitweise 32 von 56 Reaktoren nicht am Netz; das Land war auf massive Stromimporte angewiesen, auch aus Deutschland. Dieser Trend wird sich mit fortschreitender Klimakrise, denn es wird ja immer heißer, absehbar verschärfen. Auch bei Uranabbau, Transport, Anreicherung, Bau und Instandhaltung von AKW, Zwischen- und Endlagerung fällt CO2 an. Und: Die unflexible Produktion von AKW-Strom verstopft immer wieder die Stromnetze, was dazu führt, dass erneuerbare Energie ungenutzt abgeregelt werden muss und Windräder unnötig stillstehen.
…Atomkraft abhängig macht
Die Abhängigkeit von Russland ist insbesondere beim Uran groß. Insgesamt bezieht die Welt 53 Prozent des Urans aus Russland, Kasachstan und Usbekistan. Im Jahr 2020 kamen über 20 Prozent des in der EU genutzten Natururans aus Russland, vor allem in Osteuropa. Beim angereicherten Uran waren es 2021 sogar 31 Prozent – und die Alternativen sind begrenzt. Atomkraft läuft also dem Ziel energiepolitischer Unabhängigkeit entgegen. Besonders im Kriegsfall sind Atomkraftwerke unter Umständen das Ziel von Raketenbeschuss und können so als Waffe eingesetzt werden.
…Erneuerbare Energien Vorrang haben sollten
Da Atomkraftwerke nicht einfach flexibel und schnell hoch und runter gefahren werden können, fließt, wenn ein Atomkraftwerk angeschaltet ist, immer eine gewisse Menge Atomstrom als „Grundlast“ in die Stromnetze und blockiert damit die Einspeisung Erneuerbarer Energien. Ohne Atomkraft wird deshalb der Weg frei für stabile Strompreise, eine sichere Energieversorgung und 100 Prozent sichere, günstige und klimafreundliche Erneuerbare Energien. Schon heute erzeugen wir in Deutschland etwa die Hälfte des Stroms in Deutschland erneuerbar, Tendenz steigend. 2030 sollen es 80 Prozent sein.
Und zum Schluss noch ein Zitat aus dem Wahlprogramm der GRÜNEN zur Europaparlamentswahl 2024
Aus diesen Gründen setzen wir uns in der EU gegen die Atomkraft als taugliche Form der Energiegewinnung ein. Es ist falsch, Atomenergie als nachhaltig einzustufen und sie aus EU-Mitteln zu fördern. Wir streben eine umfassende Reform des Euratom-Vertrages an, welche die Sicherheit von Rückbau und nuklearer Entsorgung zur zentralen Aufgabe macht und die wahren Kosten und Risiken im Preis abbildet. Quelle: https://www.gruene.de/artikel/unser-gr%C3%BCnes-wahlprogramm-zur-europawahl-2024
Lieben Gruß
Jörg Rostek
– für die GRÜNEN in Münster
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