Warum ich nach Paris fahre…

In der Kita

Das Leben ist voller Zufälle. Manche Aufgaben und Herausforderungen fliegen uns zu wie Blätter im Wind. Vor drei Jahren begegnete ich meiner Lebensgefährtin, die die Gefahren des Klimawandels wesentlich früher erkannt hat als ich, und woraus sich eine ganze Reihe von Folgezufällen ergaben: infolge dessen wurde ich Projektassistent von Unplastic Billerbeck, infolge dessen ergab es sich, dass ich mit 25 Kindern und der Schulleiterin der Gemeinschaftsschule in Billerbeck ein Umweltprojekt gestaltete und infolge dessen bietet sich mir nun die Gelegenheit am 7. Dezember zum Weltklimagipfel nach Paris zu reisen (siehe WDR-Lokalzeit Münsterland vom 04.12.15), um für mehr Klimagerechtigkeit zu demonstrieren.

Jörg Rostek_Lokalzeit Münsterland

Chancen ergeben sich. Chancen werden erarbeitet und ergriffen. Oder liegengelassen. Und mache Chancen sind wichtig. Einige sind irrelevant. Vielleicht drängt sich eine Option auf. Und dann kommt es auch mal vor, dass man sie auch mal nicht erkennt oder erkennen will. Dass die Weltklimakonferenz in Paris vielleicht die letzte Chance der Menschheit ist, die schlimmsten und verheerensten Klimaveränderungen zu verhindern, daran besteht kein Zweifel. Gelingt es nicht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, so dass der globale Durschnittstemperaturanstieg keine 1,5 bis 2 Grad Celsius übersteigt, werden – je nachdem welche wissenschaftliche Zukunftsprojektion man wählt, hunderte Millionen Menschen verhungern, verdursten, in Kriegen ermordet, aus ihrer Heimat vertrieben oder flüchten. Noch nie in meinem Leben stand mir das so vor Augen, war mir das so klar, wie heute. Wie viele Menschen auf der Welt, wusste ich natürlich schon länger, dass es den Treibhauseffekt gibt, aber die Konsequenz des maßgeblich vom Menschen verursachten Klimawandels, war mir nur unterschwellig bewusst.

Seitdem ich politisch aktiv bin habe ich mich für soziale Gerechtigkeit, Bildungszugangsgerechtigkeit, mehr Demokratie, Toleranz und Humanismus eingesetzt. Aber noch niemals spürte ich so deutlich, dass es die weltweiten Umweltbedingungen sind, auf denen diese Ziele ihr Fundament bauen. Wenn es keine stabilen Klima- und Umweltbedingungen mehr gibt und Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren die Welt heimsuchen, wird es auch keine soziale Gerechtigkeit, keinen Frieden und keine demokratische Gesellschaft geben, sondern nur noch Hauen und Stechen und möglicherweise eine Spirale der Gewalt der Menschheit gegeneinander geben. Von der Freiheit und von den Werten, die angeblich in Syrien verteidigt werden sollen, so wie sie angeblich auch in Afghanistan und angeblich auch im Irak verteidigt werden sollten, wird dann keine Rede mehr sein, sondern nur noch von Sachzwängen und NOTwendigkeit. Dann wird es der Planet Erde sein, der uns diktiert, was wir zu tun haben. Die Katastrophe von New Orleans und der Tsumani vom Dezember 2004 waren dann nur ein Vorgeschmack.

James Lovelock schreibt in seinem Buch „Gaias Rache“: „Der Planet, auf dem wir leben, muss nur mit den Schultern zucken, und Hundertausende werden in den Tod gerissen. Doch das ist nichts, im Vergleich zu dem, was bald passieren könnte.“ Und der Militärhistoriker Gwynne Dyer legte in seinem Buch „Schlachtfeld Erde“ unlängst dar, welche politischen und militärischen Auswirkungen der Klimawandel und die damit einhergehenden Klimakatastrophen haben könnten und wie wertvoll ein sich selbst regulierender Planet Erde ist. Denn wenn die Menschheit gezwungen wäre, die Erde durch aufwendige Maßnahmen selbst zu regulieren – was wohl nur bedingt erfolgsversprechend ist – würden diese Programme Ressourcen verschlingen, die logischerweise an anderer Stelle, beispielsweise in der Sozial-, Bildungs- und Kulturpolitik fehlen würden. Ich sage klar: Dazu darf es nicht kommen!

Und es darf nicht geschehen, dass die zukünftigen Generationen die Folgen der CO2-Emmissionen ausbaden, die seit 1850 in die Luft gepustet worden sind. Es klingt kitschig und vielleicht ist es das auch. Aber es ist die Wahrheit und eine Wahrheit, die mir die Tränen in den Augen treibt: unsere Kinder tragen keine Schuld, die Kinder in den am stärksten betroffenen Erdregionen wie Bangladesch, Indien oder Pakistan, etc. tragen keine Schuld, sondern all diejenigen Politikerinnen und Politiker, die seit bekannt werden des Treibhauseffekts keinen Finger gerührt haben und rühren, um das Unheil zu verhindern UND all diejenigen Konzerne, die trotz besseren Wissens von der Ausbeutung des Planeten profitieren! Vielleicht sind deshalb viele Lehrerinnen und Lehrer bei der Partei B90/Die Grünen organisiert, weil sie ihren Alltag mit Kindern verbringen und sie täglich mit dieser Wahrheit konfrontiert werden. Seit Billerbeck verstehe ich das mehr den je. Und dieses Verständnis ist Geschenk und Bürde, Verantwortung und Last zugleich. Und ich wünschte, ich könnte die Erfahrungen, die ich in nur vier Tagen gesammelt habe, irgandwie mit anderen Menschen teilen.

Stoppt den Terror

Wenn ich also nach Paris fahre, dann tue ich das in Gedanken an die Kinder der Gemeinschaftsschule Billerbeck, die mir ans Herz gewachsen sind. In Paris werde ich an die liebenswerten Kinder in meinem Bekanntenkreis denken, denn einige meiner mir nahestehenden Freundinnen und Freunde sind mittlerweile Eltern geworden. Und da die Kinder in den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gebieten am meisten darunter leiden, ja vielleicht deshalb verhungern und sterben werden, werde ich all meine Wut über die Folgen des möglichen Klimawandels, dieser größten aller Ungerechtigkeiten in meinen Protest hineinlegen. Ich muss den Verhandlerinnen und Verhandlern des Weltklimagipfels zurufen: Stoppt den Terror aus den Schornsteinen! Schafft Klimagerechtigkeit! Egal was es kostet! Denn wenn es nach mir ginge, sollte man alle Staatschefs, die vorgeben, das Klima zu retten, ähnlich wie bei einer Pabstwahl, solange einsperren, bis sie sich auf einen effizienten und verbindlichen (und wissenschaftlich überprüften) Plan zur Rettung der Welt geeinigt haben. Und ich hoffe inständig, dass immer mehr Menschen das für unser aller Zukunft genauso sehen.

Posted in: Umwelt

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