Im GRÜNEN Zentrum hatte ich die besondere Gelegenheit, Issa Amro persönlich zu treffen – einen beeindruckenden Menschenrechtsaktivisten, der 2024 mit dem renommierten Right Livelihood Award, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“, ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus ist er für den Friedensnobelpreis nominiert. Warum? Weil Issa Amro unbeirrt und gewaltfrei gegen die israelische Besatzung des Westjordanlandes kämpft und sich mit unermüdlichem Engagement für die Einhaltung grundlegender Menschenrechte einsetzt.
Ein Leben in Hebron
Amro lebt selbst in Hebron – einer der konfliktreichsten Städte im besetzten Westjordanland – und erlebt die Unterdrückung nicht nur als Beobachter, sondern als Betroffener. Er wurde wiederholt Ziel von Übergriffen radikaler jüdischer Siedler*innen und schilderte uns GRÜNEN eindrucksvoll die Realität vor Ort: Eine systematische Verweigerung von Gleichberechtigung, fehlender Schutz vor Angriffen – auch aus der Region, etwa aus dem Iran – sowie ein nur eingeschränkter Zugang zu elementarer Versorgung wie sauberem Trinkwasser und Strom. Hinzu kommen zahllose israelische Checkpoints, die die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung drastisch einschränken – mit gravierenden Folgen für Bildung, Gesundheitsversorgung, wirtschaftliche Entwicklung und den Alltag der Menschen.
Ein nachhaltiges Palästina
Trotz all dieser Widrigkeiten hat Issa Amro eine klare, konstruktive Vision: ein zukunftsorientiertes Palästina, das sich ökologisch und sozial nachhaltig entwickelt – mit Strom aus erneuerbaren Energien, Recycling zur Rückgewinnung von Rohstoffen und friedlicher Koexistenz mit Israel. In seinem Verständnis bedeutet Gerechtigkeit nicht, das Lebensrecht oder die Lebensqualität der einen gegen die der anderen aufzuwiegen. Vielmehr sieht er eine lebenswerte Zukunft nur dann als möglich an, wenn die Rechte aller Menschen – Palästinenser*innen wie Israelis – gewahrt werden.
Frieden ist möglich
Besonders eindrücklich war Amros Wertschätzung für die zivilgesellschaftliche Vielfalt innerhalb Israels. Viele Israelis, so betonte er, lehnten die Politik ihrer Regierung ab und engagierten sich aktiv für Frieden und Gerechtigkeit. Dieses differenzierte Bild war ihm wichtig: Der Konflikt dürfe nicht als Feindschaft zwischen Völkern gelesen werden, sondern müsse als politische Herausforderung betrachtet werden – mit Menschen auf beiden Seiten, die sich nach einem Ende der Gewalt sehnen. Sein Fazit war ebenso einfach wie hoffnungsvoll: Ein friedliches Zusammenleben ist möglich – wenn der politische Wille auf allen Seiten vorhanden ist.
Mein herzlicher Dank gilt Tobias Stieb, Moritz Meier, Ursula Mindermann, Sonja Völker und Medya Mustafa, die das Gespräch mit Issa Amro mit ihrer Präsenz und ihren Perspektiven bereichert haben.
Kommentar verfassen