
wir GRÜNE wissen: Viele Technologien sind zweischneidige Schwerter. Dazu gehören auch die Digitalisierung und Social Media.
Digitalisierung kann vieles erleichtern – sie kann Verwaltungsprozesse beschleunigen, Zeit sparen. Und ja, auch ich schaue mir gern mal ein lustiges oder lehrreiches Video an.
Aber wenn der aktuelle Zustand im Netz zu einer erhöhten Kindeswohlgefährdung führt, dann hört der Spaß auf. Dann müssen wir eingreifen. Dann müssen wir handeln.
Am Anfang stand die Euphorie: Digitalisierung und Social Media – das klang nach Fortschritt, nach Teilhabe, nach Freiheit. Und das war nicht falsch. Aber inzwischen sehen wir auch die andere Seite. Und die können wir nicht länger ignorieren. Denn die Zahlen sind eindeutig: Viele Jugendliche verbringen täglich mehr als zwei Stunden auf Social Media – ein erheblicher Teil sogar fünf Stunden und mehr. Fünf Stunden. Jeden Tag.
Mittlerweile kennen wir auch die Nachteile – gerade in der Bildung: Das Lernen mit Tablets kann den Wissenserwerb erschweren. Lesen am Bildschirm kann die Entwicklung von Lesekompetenz deutlich verlangsamen – im Extremfall um bis zu zwei Jahre im Vergleich zum analogen Lesen.
Und wir wissen: Gute analoge Leser*innen werden gute digitale Leserinnen. Umgekehrt funktioniert das kaum.
Und Social Media ist nicht neutral. Die Plattformen und ihre Algorithmen haben Gewinnerzielungsabsicht und zielen auf unser Belohnungssystem. Sie fördern die Ausschüttung von Dopamin – und können abhängig machen.Die Folgen sind spürbar: Einsamkeit, geringeres Selbstwertgefühl, mehr Essstörungen.
Dazu kommen Cybermobbing, Cybergrooming und hochproblematische Inhalte – von rassistisch und sexistisch bis hin zu antifeministisch und rechtsextrem.
Noch einmal: fünf Stunden am Tag.
Ich habe viele Gespräche geführt – mit Eltern, mit Jugendlichen, mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Und überall höre ich dasselbe:So, wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen. Ein Handwerksmeister in Thüringen spricht sich für eine Altersgrenze bei Social Media aus.
Eltern bei ElternGRÜN fordern klare Regeln. Jugendliche im Jugendrat in Münster ebenso.
Und selbst Mitarbeitende in unserem Kreisverband Münster, die Social Media im Wahlkampf verantwortet haben, plädieren für eine klare Altersgrenze. Das ist keine elitäre Debatte. Es gibt ein breites gesellschaftliches Gefühl – und das sagt: Hier läuft etwas aus dem Ruder.
Mein eindrücklichstes Gespräch hatte ich mit einem Kindertheaterschauspieler. Ich habe ihn gefragt, ob sich Kinder verändert haben. Seine Antwort: massiv. Die Aufmerksamkeitsspanne sei so stark gesunken, dass er Stücke umschreiben müsse, damit Kinder überhaupt noch folgen können. Spätestens da ist klar: Das ist kein Gefühl mehr.
Das ist Realität. Fünf Stunden am Tag – das ist auch verlorene Zeit. Zeit, die Kindern und Jugendlichen für ihre Entwicklung fehlt. Für Bewegung und Sport. Für Freundschaften und echte Begegnungen.
Für Bücher, für das Musizieren. Für Naturerlebnisse. Für demokratische Beteiligung und Resonanzerfahrungen. Für Familie. Kurzum: Für all das, was das Leben lebenswert macht.
Und ist es nicht genau das, wofür wir GRÜNE stehen – für das gute Leben?
Deshalb müssen wir jetzt sagen: Wir schauen nicht länger weg. Wir handeln. Zumal sich dafür endlich politische Mehrheiten abzeichnen. Und wir sollten nicht zulassen, dass andere Parteien uns hier den Rang ablaufen.
Andere Länder gehen voran: Schweden rudert beim Einsatz von Tablets in Kitas zurück.
Australien verpflichtet Plattformen, unter 16-Jährige von Social Media auszuschließen.
Und auch unsere GRÜNE Landtagsfraktion in NRW befürwortet eine Altersgrenze von 14 Jahren.
Wie genau diese ausgestaltet wird – ob nur über die Plattformen oder auch über klare Regeln für die Nutzung durch Kinder und Jugendliche – das müssen wir diskutieren. Beim Alkohol ist es ähnlich: Für einen 13-Jährigen ist der Konsum verboten – genauso wie es für einen Kioskbesitzer verboten ist, Alkohol an ihn zu verkaufen.
Was wir brauchen, sind wirksame Mechanismen zur Alterskontrolle. Und wir brauchen Plattformen, die Verantwortung übernehmen – nicht nur schöne Versprechen machen. Und wenn sie das nicht tun, dann müssen wir handeln. Dann sollten wir es so machen wie bei den Atomkraftwerken: Wir schalten sie ab.
Wir sollten klar sagen:
Weniger Bildschirm.
Mehr echte Erfahrung.
Weniger Scrollen.
Mehr Mitbestimmung.
Wenn wir Kinder wirklich stärken wollen, dann müssen wir ihnen Raum geben – keinen schwarzen Spiegel: Raum für echte Begegnungen, für Natur, für Selbstwirksamkeit.
Und dafür brauchen wir den Mut, Grenzen zu setzen. Denn klare Regeln können auch mehr Freiheit bedeuten.
Social Media regulieren. Mitbestimmung stärken. Das ist eine starke Botschaft für den kommenden Landtagswahlkampf. Und die sollten wir klar kommunizieren.
Mehr Matsch statt Wisch, wisch.
Vielen Dank.

