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Zur Debatte über die Netto-Null-Bodenversiegelungsstrategie der GRÜNEN

Woran erkennt man politische Mitbewerber, die ein schlechtes Wahlergebnis fürchten? Meistens an unsachlicher und polemischer Kritik. Genau das zeigt sich nun bei der SPD Münster, die versucht, das Thema Bodenversiegelung und Wohnraumschaffung gegen uns GRÜNE auszuspielen.

Dabei ist unsere Haltung klar: Gerade in Zeiten der Klimakrise wollen wir den Trend zur zunehmenden Versiegelung der Landschaft stoppen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass wir pauschal jeden Neubau ablehnen. Unser Konzept einer Netto-Null-Versiegelungsstrategie verfolgt vielmehr das Ziel, verantwortungsvoll mit Flächen umzugehen – und damit beides zu ermöglichen: dringend benötigten Wohnraum schaffen und gleichzeitig Natur und Klima schützen.

Hier die wichigsten Fragen zum Thema (aus meiner Perspektive) beantwortet:

1. Was bedeutet „Netto-Null-Versiegelung“?
„Netto-Null-Versiegelung“ heißt: Immer dann, wenn neue Flächen versiegelt werden – zum Beispiel durch den Bau eines Gebäudes –, wird an anderer Stelle entsiegelt. Das kann eine alte Parkfläche sein, eine überdimensionierte Straße oder ein Platz, der von Beton befreit und wieder begrünt wird.

2. Wie wollen die GRÜNEN die „Netto-Null-Versiegelung“ umsetzen?
Wir wollen die Stadtverwaltung damit beauftragen, eine Entsiegelungsstrategie zu entwickeln. Diese soll aufzeigen, welche Flächen im Stadtgebiet für eine Entsiegelung in Frage kommen. So entsteht ein Überblick, wie wir Flächen wieder begrünen und damit wichtige Maßnahmen zur Klimaanpassung umsetzen können.

3. Wie wäre das zum Beispiel, wenn das Studierendenwerk ein Wohnhaus bauen möchte, die Stadt aber noch keine Strategie vorgelegt hat?
Das Wohnhaus kann selbstverständlich gebaut werden. Sobald die Strategie vorliegt, wird dann eine passende Ausgleichsfläche gesucht, die der versiegelten Fläche entspricht.

4. Und was passiert, wenn mehr Flächen bebaut werden sollen, als entsiegelt werden können?
Wir GRÜNEN verstehen „Netto-Null-Versiegelung“ nicht als starres Sofortziel, sondern als langfristige Perspektive. So ist es auch in unserem Wahlprogramm verankert. Wir können von anderen Städten viel lernen, wie man das Ziel einer ausgeglichenen Flächenbilanz Schritt für Schritt umsetzen kann.

5. Gibt es bereits Städte, die eine Netto-Null-Strategie verfolgen?
Ja. Leipzig hat sich zum Beispiel vorgenommen, bis 2030 eine Strategie zur Netto-Null-Versiegelung zu entwickeln. Auch Hamburg, Flensburg, Mannheim und Berlin arbeiten daran, eine ausgeglichene Flächenbilanz zu erreichen.

6. Wie bewerten die GRÜNEN die Kritik der SPD?
Die SPD stellt unsere Strategie im Wahlkampf bewusst falsch dar, indem sie suggeriert, wir wollten sie von heute auf morgen abrupt umsetzen. Damit spielt sie Klimaschutz und Sozialpolitik gegeneinander aus – und schadet am Ende beiden. Wir GRÜNEN denken Wohnraum und Klimaschutz zusammen, damit Münster auch in Zeiten der Klimakrise lebenswert und zukunftsfähig bleibt.

7. Warum ist die Begrenzung der Flächenversiegelung eigentlich so wichtig?
Versiegelte Flächen – also Beton, Asphalt oder Pflaster – lassen kein Regenwasser in den Boden eindringen. Dadurch steigt die Gefahr von Überschwemmungen, Grundwasserreserven nehmen ab, und Böden verlieren ihre kühlende Wirkung. Gerade in heißen Sommern heizen sich versiegelte Städte stark auf. Besonders ältere Menschen und alle, die keine Rückzugsmöglichkeit in eine kühle Wohnung haben, sind dadurch gefährdet. Schon heute sterben tausende Menschen an den Folgen von Hitze. Außerdem geht durch Versiegelung wertvolle Natur- und Ackerfläche verloren, die wir für Artenvielfalt, Landwirtschaft und ein gesundes Stadtklima dringend brauchen. Begrenzung der Flächenversiegelung bedeutet also: Schutz vor Hochwasser, Förderung der Artenvielfalt, besseres Stadtklima und mehr Widerstandskraft gegenüber den Folgen der Klimakrise. Dass diese Probleme real sind, haben wir in Münster am 28. Juli 2014 erlebt, als ein Starkregenereignis große Schäden verursacht hat. Viele erinnern sich noch gut daran. Die SPD scheint die Lehren daraus allerdings schon wieder vergessen zu haben.

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