Website-Icon Jörg Rostek

Vielfalt braucht Ansprache

Meine Rede auf der Mitgliederversammlung der GRÜNEN am 14.11.2023 anlässlich der Einführung eines Vielfaltsststuts für den GRÜNEN Kreisverband Münster

Mehr Vielfalt in der Partei, das wird nicht leicht. Es reicht nämlich nicht, eine Einladung auszusprechen; die Frage ist auch, wie die Einladung aussehen muss, damit sie angenommen wird.

Das klingt banal, ist aber für unsere Arbeit als Partei fundamental. Interkulturelle Kompetenz ist hier ausschlaggebend. Das bedeutet für mich, dass wir als Partei die Fähigkeit und Bereitschaft entwickeln, mit Angehörigen anderer Kulturen angemessen und respektvoll umzugehen, aber auch dass uns die Merkmale und Besonderheiten anderer Kulturen bewusst sind und wir bereit sind unsere Ansprache anzupassen.

In meiner Arbeit beim Integrationsforum Münster, wo ich auch Vorstandssprecher bin, habe ich viel mit Geflüchteten und Zugewanderten zu tun und dort haben wir sehr früh gelernt, wie wichtig es ist, den Geflüchteten auf Augenhöhe zu begegnen, keine Unterschiede zwischen den Menschen zu machen und auch Menschen mit Flucht- und Zuwanderungsgeschichte in den Vorstand und in die Fahrradfahrkurse als Lehrerin zu holen. Das ist nämlich nicht nur toll für die Menschen, weil sie daran persönlich wachsen; das vereinfacht auch die Arbeit enorm, weil diese Menschen uns auf Zusammenhänge und Probleme hinweisen, die wir gar nicht kennen können, weil wir sie nicht erlebt haben.

Wie erklärt man Menschen, die das nicht kennen, was ein deutscher Verein ist? Was ein Ehrenamt ausmacht? Da ist das Wissen um die kulturellen Unterschiede, aber auch um die Gemeinsamkeiten essentiell. Aber vor allem wichtig ist: Sprache und Geduld, auch mal Hinterherfragen und die Bereitschaft sich Mühe zu geben.

Wir arbeiten beim IFM wegen der vielen Sprachbarrieren mit Händen und Füßen, aber auch viel mit Lächeln, Applaus und notgedrungen mit google-Translate. Auf unseren Weihnachtsfeiern gibt es vielfältiges multikulturelles Essen. Niemand wird ausgeschlossen. Was ich sagen will: man muss schon auf die Menschen zugehen, wenn man will, dass auch sie einen Schritt vorwärts gehen und einem entgegenkommen.

Ich möchte ein Erlebnis mit euch teilen, dass ich im vergangenen Landtagswahlkampf erlebte. Es war die Wahlkampferöffnungsveranstaltung am 19. März 2022 als auch Mona Neubaur zu Besuch war und redete. Das war eine tolle Rede, keine Frage, aber noch toller war die Band namens Sinu. Ein Deutsch-türkisches Indi-Pop-Projekt. Die spielten unter anderem ein türkisches Kinderlied. Darin ging es um einen Esel als alten Freund. Mehr weiß ich leider nicht mehr, aber was ich noch weiß, ist, dass sehr viele Menschen mit türkischen Wurzeln, die sonst alle an der Veranstaltung vorbeigelaufen wären, stehengeblieben sind und sich so die Zusammensetzung des Publikums spürbar änderte. Diverser wurde. Viele Familien waren darunter. Es wurde bunt.

Wenn wir anders als unsere politische Konkurrenz, wie beispielsweise CDU, CSU und AfD Kultur nicht dazu benutzen, die Menschen zu spalten, sondern zu verbinden, dann fördern wir so das Vertrauen in uns GRÜNE und so auch in die deutsche Demokratie allgemein. Wenn wir es häufiger hinbekommen, die Ansprache kulturorientiert auszurichten und zwar so, dass sie die Vielfalt der Kulturen reflektiert, dann werden wir auch als Partei vielfältiger und erfolgreich sein zum Wohle aller.

Lieben Dank.

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