Jörg Rostek

"Kenne deine Stadt!"

Literaturtipps

Auf dieser Seite finden Sie jeden Monat zwei Literaturhinweise. Es handelt sich um Bücher, die ich gelesen habe und gerne weiterempfehle.

 

ZuckmeyerMai  (II) / Zuckmayer, Carl: Als wär’s ein Stück von mir. S. Fischer Verlag, 1966, Frankfurt am Main.

640 Seiten geballtes Leben. Der Autor des „Fröhlichen Weinbergs“ des „Hauptmanns von Köpenick“ und „Des Teufels General“ hat wahrlich viel zu erzählen. Davon, wie er von einem Kriegsgegner zu einem Befürworter des I. Weltkrieges geworden war und sich freiwillig (!) gemeldet hatte. Darüber, wie es im Feld war. Wie es danach war. Wie es davor war und wie er ins Exil getrieben worden war. Wie er behandelt worden war als deutscher Geflüchteter in der Schweiz und in den USA. Wie es war, ein neues zu Hause suchen und finden zu müssen. Es sich in der Fremde wieder aufbauen zu müssen, sich zu erkämpfen. Stadtleben. Landleben. Literatenleben.

Aber es ist vor allem ein Buch über die Freundschaft. Über sas Vermissen der Engsten. Über das Schreiben. Über das Scheitern. Und über hymnische Erfolge und literarische Höhenflüge. Ein Leben, das geführt wurde, ohne Aufgabe und mit einem Glauben an das gute und die Guten, die es in allen Ländern dieser Erde zu Hauf gibt und die es auch in Deutschland vor und nach den großen Kriegen immer gegeben hat. An die zahlreichen Kunstschaffenden der damaligen Zeit und die Werte, die sich durch den Widerstand gegen die Nationalsozialist*innen manifestierten.

Ihr Werk ist unsere Mahnung. Ihr Erbe unser Anspruch. Ihre Botschaft unsere Pflicht. Ihr Leben unser Vorbild. Als wär’s ein Stück von uns.

Maalouf

Mai  (I) / Maalouf, Amin: Mörderische Identitäten, Suhrkamp, 2000, Frankfurt.

Zwei Jahre vor den Anschlägen auf das World Trade Center hat Amin Maalouf die Erklärung dafür geliefert, warum sich junge Menschen, die zwischen den Kulturen aufgerieben werden, radikalisieren und gewalttätig werden. Mit dem  Talent eines Romanciers beschreibt Maalouf in diesem Essay die Umstände, unter denen „Mörderische Identitäten“ aufwachsen, gebildet werden und leiden. „Ich habe bislang stets die Tatsache betont, dass sich die Identität aus vielfältigen Zugehörigkeiten zusammensetzt […] Oft neigt man übrigens dazu, sich gerade in seiner am stärksten angegriffenen Zugehörigkeit wiederzuerkennen […] Die betreffende Zugehörigkeit – Hautfarbe, Religion, Sprache, Klasse etc. – beherrscht dann die gesamte Identität. Diejenigen, die sie miteinander teilen, finden sich zusammen, werden aktiv, stärken sich gegenseitig den Rücken und geben „der anderen Seite“ die Schuld.“ Was man dagegen tun kann? Die Menschen nicht dikriminieren und nicht dazu zwingen, sich entscheiden zu müssen, sondern kukturelle Vielfalt als Bereicherung empfinden, das auch vermitteln und annehmen.

Makel

März  (II) / Roth, Philip: Der menschliche Makel, Carl Hanser Verlag, 2002, München.

Was Roth hier gelingt, vermag nur der Roman: die Beleuchtung innerer Erlebniswelten, die menschliche Handlungen begründen und für außenstehende oft unverständlich bleiben (müssen). Die Geschichte eines Collegeprofessors, der aufgrund eines Rassismusvorwurfs alles verliert, ist eine Mahnung an alle, die sich angewöhnt haben, vorschnelle moralische Urteile zu fällen. „Der menschliche Makel“ hat mich daran erinnert, warum ich angefangen habe, Bücher zu lesen: um die Menschen besser zu berstehen.

Tier

März  (I) / Roth, Philip: Das sterbende Tier, Carl Hanser Verlag, 2003, München.

Ein lüsternder Professor verliebt sich in eine wesentlich jüngere Studentin? Hat diese Liebe eine Chance? Oder ist sie von Alternsangst und Unsicherheit getrieben dem Untergang geweiht? Manche Fragen, die wir im Alltag lieber verdrängen, bekommen durch die Begegnung mit besonderen Menschen unverhofft gewicht.

Röhl

Februar  (II) / Röhl, Anja: Die Frau meines Vaters – Erinnerungen an Ulrike, 2013, Hamburg, Edition Nautilus.

Das hier ist keine Geschichte über Ulrike Meinhoff, sondern die schonungslos qualvolle Geschichte einer Mädchenkindheit in den 60er Jahren. Ulrike Meinhoff ist eher Projektionsfläche, emanzipatorischer Sehnsuchtsort und Ausweg aus einer bürgerlichen Gesellschaft, in der Frauen nichts gelten. Dass die Autorin von sich selbst in der dritten Person schreibt, verstärkt den Eindruck als sei Anja Röhl mehr Spielball ihrer Umwelt – unter anderem von aufdringlichen Männern – gewesen. Mehrmals habe ich mich stellvertretend für diese Männer geschämt, was die literarische Qualität dieses Buches beweist.

tintenfass

Februar  (I) / Tintenfass Nr. 26 – Das Magazin für den überforderten Intellektuellen.

Diese zum 50. Geburtstag des Diogenes erschienene Jubiläumdausgabe ist ein Lesevergnügen für alle, die sich dem Literaturbetrieb und seiner Eigenheiten zugehörig fühlen oder diese erforschen wollen. Dass der Diogenes-Verlag in dieser Ausgabe ausschließlich Meisterinnen und Meister ihres Faches versammelt hat, tut da sein Übriges.

heinrich-boll_brotJanuar 2017  (II) / Böll, Heinrich: Das Brot der frühen Jahre, 1955, Köln, Kiepenheuer und Witsch.

Gläubig, Ernst, Mitgleid, Güte… und Witz. Das war Böll und so ist seine Literatur. Heinrich Böll ist einer jener Autor*innen, von denen ich behaupten kann, bereits so viel gelesen zu haben, dass ich in seinem Werk einen roten Faden erkenne. Und er war einer der ersten Autor*innen, die in mir ein inneres Prickeln verursachten, das mir beim Lesen verriet: das ist groß, hier hast du was in der Hand, das größer ist als du, etwas das dir hilft die Welt zu verstehen, lies weiter, es wird zu deinem Schaden nicht sein, sondern wird dich innerlich bilden und du wirst ein guter Mensch. Das ist selten. Aber das ist Böll. Und das ist heute auch ein Teil von mir.

erdpolitik

Januar 2017  (I) / Von Weizsäcker, Ernst U.: Erdpolitik. Ökologische Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt. 1989, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Das der Mensch Natur und Umwelt zu seinem eigenen Schaden missbraucht, ist klar und in zahlreichen Büchern besprochen worden. Lamentieren und Probleme wälzen ist einfach, aber Lösungen vorzuschlagen und zu diskutieren das eigentliche Ziel. Von Weizsäcker bespricht in diesem Buch realpolitische staatliche Instrumente zur Steuerung der Marktwirtschaft und zum Wohle der Natur. Und selbstverständlich gehört dazu auch die Steuerpolitik.

Dezember 2016  (II) / Goffman, Erving: Asyle. Über die soziale Situation psychatrischer Patienten und anderen Insassen, 1961, Frankfurt am Main, Suhrkamp.

asyleWir Menschen bewegen uns in zahlreichen Einrichungen. Manche dieser Institutionen sind total; d.h. sie bestimmen, wie wir leben (sollen) – und zwar rund um die Uhr. Christliche Erziehungsheime, Kasernen, Gefängnisse, Klöster, Psychatrien, Internate… Welche Auswirkungen haben die Methoden, die in diesen Einrichtungen angewandt werden auf den Charakter eines Menschen? Welche Perspektiven haben die Insassen? Welche das dort arbeitende Personal? Dieses Buch bietet nicht nur eine Definition der „totalen Institution“ sondern geht diesen Fragen auf den Grund. Und man findet Bestandteile totaler Institutionen in Einrichtungen wie Schulen, Hochschulen, Altenheime, usw. wieder. Das regt zum Nachdenken an. Ein Standardwerk.

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Dezember 2016 (I) / Tucholsky, Kurt: haßt-liebt, 1957, Hamburg, Rowohlt Verlag.

Warum heute noch Kurt Tucholsky lesen? 1. Weil es witzig ist. 2. Weil es historisch ist und 3. weil es politisch interessant ist. Die Lektüre Kurt Tucholskys ist der schlagende Beweis dafür, dass eben nicht alle Menschen vom 1. in den 2. Weltkrieg getaumelt sind, sondern es pazifistische und anti-nationale Alternativen gab. Einen anderen Weg. Ein gutes Deutschland. Ein gutes Deutschland, das vor allem heutzutage, da sich das niederträchtige menschenfeindliche Deutschland am Horizont der kommenden Parlamentswahlen erhebt, dringend gebraucht wird. In Geist und Tat. In persona.

winckler_funktion_faschistischer_spracheNovember 2016 (II) / Winckler, Lutz: Studie zur gesellschaftlichen Funktion faschistischer Sprache, 1970, Frankfurt, Suhrkamp.

Jedes politisches System hat seine Sprache. Welche Sprache hat der Faschismus? Und was ist die Funktion der Sprache im Faschismus? Lutz Wincklers Analyse ist bestehend eindeutig. Beispielhaft erläutert er an Satzbaukonstruktionen und rhetorisches Stilmitteln wie die faschistische Sprache manipuliert. Ein Rüstzeug für alle, welche die Aufklärung im besten Sinne suchen und verbreiten wollen – und sich mit populistischen Parteien beschäftigen.

fabrikation

November 2016 (I) / Treiber, Hubert / Steinert, Heinz: Die Fabrikation des zuverlässigen Menschen – Über die „Wahlverwandtschaft“ von Kloster- und Fabrikdisziplin, 2005, Münster, Westfälisches Dampfboot.

Treiber und Steinert finden den Ursprung der disziplinierten Fabrikarbeit im Kloster des Mittelalters. Von dort habe sich die Disziplin „verallgemeiner“ – bis hin zur „zuverlässigen Selbst-Instrumentalisierung“, die dazu führe, dass ein Befehl ausgeführt wird, bevor er gegeben ist. Der Unternehmer, der sich für das Familienleben seiner Angestellten interessiert, verfolgt ein essentielles Eigeninteresse: denn geordnete Lebensverhältnisse liefern ihm „zuverlässige“ und abhängige Mitarbeiter.wie-man-soldaten-macht

Oktober 2016 (II) / Treiber, Hubert: Wie man Soldaten macht, 1973, Düsseldorf, Bertelsmann.

Die Doku-Soap der Bundeswehr „Die Rekruten“ hat auf youtube hundertausende Klicks. Doch wie werden wirklich Soldaten gemacht? Wie werden Menschen und Gruppen dazu diszipliniert, auf Befehl zu reagieren? Und zu töten? Ein krasses Schlaglicht auf eine „totale Institution“.

weiberfeinde

Oktober 2016 (I) / Highsmith, Patricia: Kleine Geschichten für Weiberfeinde, 1979, Zürich, Diogenes.

Die Autorin portraitiert 17 Frauentypen. Oft nicht zu ihrem Vorteil. „Die bürgerliche Hausfrau“, „Die Zuchtanstalt“, „Der Bettinhalt“. Manchmal ist der Name des Kapitels nicht Programm, aber oft. Wer sich in diesen Geschichten wiedererkennt, darf sich unglücklich schätzen. Dabei wird das Verhalten der Männer gegenüber diesen Frauen zumindest genauso deutlich offenbart. Provokant. Lesenswert.

tiere-essenSeptember 2016 (II) / Foer, Jonathan Safran: Tiere essen, 2010, Köln, Kiepenheuer und Witsch.

Nun lebe ich schon seit einigen Jahren vegan. Ich esse keine tiereischen Produkte. Das hat viele Gründe, die ich hier nicht aufzählen möchte, denn das würde den Rahmen dieses Formats hier sprengen. Aber nun habe ich dieses Buch gelesen und ich habe vier (!) Mal dabei geweint. Es hat mich in meiner Lebensweisenwahl bestätig. Alle, die Fleisch essen, besonders dann, wenn es aus Massentierhaltung stammt, sollten dieses Buch lesen und sich die Frage stellen, ob sie sich an diesem grausamen Treiben mitschuldig machen wollen. Ich will es nicht. Niemehr.

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September 2016 (I) / Roald, Dahl: Kuschelmuschel – Vier erotische Geschichten, 1975, Hamburg, Rowohlt Verlag.

Nein, Roald Dahl hat nicht nur Kinderbücher geschrieben, sondern glücklicherweise auch mehr. Warum funktionieren diese Kurzgeschichten? Weil sie witzig und erotisch aufgeladen sind. Sie handeln oft von moralisch fragwürdig handelnden Protagonist*innen, die auf der letzten Seite gewaltig scheitern. Ein Vergnügen. Großartig geschrieben.

k800_werAugust 2016 (II) / Ruch, Philipp: Wenn nicht wir, wer dann?, 2015, München, Random House.

„Die Irrlehre, wir müssten so handeln, wie wir es fühlen, ist ein Hauptgrund dafür, weshalb sich so viele Menschen selbst verachten oder als sinnlos empfinden. Man sollte vielmehr tun, was man für wünschenswert hält. (…) Wir leben in einer Trockenphase der Weltgeschichte. Es gilt, sie mit Schönheit zu tränken.“

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August 2016 (I) / Frisch, Max: Ausgewählte Prosa. Frankfurt, 1972, Suhrkamp.

In diesem kleinen Büchlein lernt man Max Frisch durch seine Lebensweisheiten kennen. Ob Liebe, Eifersucht oder Nationalismus; Max Frisch ist einer Erheller.

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Juli 2016 (II) / Münkler, Herfried: Der große Krieg. Die Welt 1914 – 1918, 2014,  Bonn,  Bundeszentrale für politische Bildung.

Knapp 800 Seiten umfasst dieses Buch über die Ursachen, den Ablauf und das Ende des 1. Weltkrieges. Doch warum sollte man sich heutzutage überhaupt mit dem 1. Weltkrieg beschäftigen. Um es mit den Worten von Herfried Münkler zu sagen: „Er ist ein Kompendium für das, was alles falsch gemacht werden kann.“ Der 1. Weltkrieg war keineswegs unvermeidbar. Kein Krieg ist das. Dieses Buch hat mich in der Ansicht bestärkt, dass Krieg nur durch aktive Friedensarbeit verhindert werden kann. Denn wer glaubt, wirtschaftliche Verflechtungen wären eine Garantie für den Frieden, der irrt. Dies ist eine der großen Lehren, die der 1. Weltkrieg zu bieten hat.

K640_ScreenShot_20160708125704Juli 2016 (I) / Chayefsky, Paddy: Die Verwandlungen des Edward J., 1979, Köln, Kiepenheuer und Witsch.

In diesem Buch gibt es Sätze, die wie Messer schneiden. Beziehungen, die ihren Zenit längst überschritten haben, exzessive und fanatische Wissenschaft, innere Migration, Selbstsauflösung. Jede Seite absolut spannend.

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Juni 2016 (II) / Palmen, Connie: Die Erbschaft., 2001 , Zürich, Diogenes Verlag.

Es gibt Bücher, die liegen jahrelang im Regal und werden nicht angefasst, geschweige denn gelesen. So ein Buch aus meinem Regal ist „Die Erbschaft“ von Connie Palmen. Nach dem ich es gelesen hatte, bekam ich das Bedürfnis mich dafür bei Frau Palmen zu entschuldigen.

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Juni 2016 (I) / Kunath und Dietz (Hg.): Die Kinder Utopias – Phantastische Erzählungen, 1985, München, Nymphenburger Verlag.

Im Laufe der Zeit habe ich eine Leidenschaft für Utopien entwickelt. Dieses Buch hat in einem öffentlichen Bücherregal meine Aufmerksamkeit erregt und es hat sich mehr als gelohnt. Nicht nur, dass es Autor*innen enthält, die mir unbekannt waren, auch die Geschichten sind teilweise von einer Eindringlichkeit, die verrät, dass Science-Fiction-Literatur durchaus literarisch sein kann und – um ernst genommen zu werden – wohl auch muss.

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April 2016 (II) / Lem, Stanislaw: Die phantastischen Erzählungen des Stanislav Lem, 1980, Frankfurt, Insel Verlag.

In diesem Buch gibt es ein aufschlussreiches Interview. Lem äußert sich darin zu seiner Rolle als SiFi-Autor. Denn das wollte er nie sein, sondern nur „gesellschaftliche Entwicklungen zu Ende denken“. Wenn das doch nur mehr Menschen mal tun würden?!

NollApril 2016 (I) / Noll, Ingrid: Kalt ist der Abendhauch, 1998, Zürich, Diogenes Verlag.

Wenn eine 83-jährige auf ihr Leben zurückblickt und Ingrid Noll ihre Fingern der Frauenbiographie hat, ist das ein Stück Zeitgeschichte. Dann ist das unheimlich spannend, traurig, humorvoll …und stimmt ziemlich nachdenklich. Welche Qualen haben die Leute überstanden? Worauf werde ich zurückblicken, wenn ich 83 bin? Mhmmm. Hoffentlich nicht auf eine Nachkriegszeit.

matrixMärz 2016 (II) / Biermann, Christoph: Die Fußball-Matrix – Auf der Suche nach dem perfekten Spiel, 1998, Zürich, Diogenes Verlag.

Fußball ist ein faszinierendes Spiel. Und wie in der Politik spielen Regeln eine wichtige Rolle. Sie sind es, die bestimmen, wie sich die Spieler verhalten. Da die übliche Fernsehberichterstattung oft nur an der Oberfläche kratzt, hilf der Griff zum Buch. Wer wissen will, warum die Offensive wichtiger ist als die Verteidigung, wie man einen Elfmeter schießen sollte und warum die 3-Punkte-Regel dem Fußball in Sachen Offensivspiel geschadet hat, findet die Antworten darauf in diesem. Fußballwissenschaft? Ja, die gibt es.

barnesMärz 2016 (I) / Barnes, Julien: Das Stachelschwein, 1992, Zürich, Haffmans Verlag.

Es gibt in diesem Buch eine meiner Lieblingsstellen. Darin treffen demonstrierende Studierende auf ein Armeeregiment, dass sie vertreiben soll. Was fast zu einem Blutvergießen geführt hätte, wird dank eines Fernsehteams zu einem Symbol der Freundschaft.

51hHfvauoDL._SX303_BO1,204,203,200_Februar 2016 (II) / Leggewie, Claus / Welzer, Harald: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten – Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie, 2009, Fischer-Verlag, Frankfurt am Main.

Dieses Buch hat alles, was man über den Klimawandel wissen muss: Ursachen, Folgen, die damit verbundene weltweite Ungerechtigkeit und warum viele Menschen immernoch so tun, als könnte man den „überentwickelten Zustand“ industralisierter Gesellschaften auf ewig aufrecht erhalten. Ich habe durch dieses Buch jedenfalls viel gelernt.

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Februar 2016 (I) / Hackmack, Gregor: Demokratie einfach selber machen – Ein Update für unsere Politik, 2014, edition Körber-Stiftung, Hamburg.

Die repräsentative Demokratie hat viele Fehler. Der Mitbegründer des Internetportals abgeordnetenwatch.de Gregor Hackmack lässt sich in diesem Buch darüber aus. Parteispenden, Lobbyismus, und Entfremdung der Politiker*innen von der Basis macht er als die Ursache eines Vertrauensverlustes aus; macht aber auch Vorschläge sie zu beseitigen. Unter anderem mit mehr Demokratie, mehr Transparenz und der Einführung des bundesweiten Volksentscheids.

imagesJanuar 2016 (II) / Gerstengarbe, Friedrich-Wilhelm / Welzer, Harald (Hg.): Zwei Grad mehr in Deutschland – Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird, 2013, Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

Der Klimawandel schreitet voran und auch Deutschland wird betroffen. Zwar nicht so stark wie andere Länder, aber es wird wärmer, neue Tierarten werden auftauchen und andere verschwinden. Wenn es wärmer wird, wird das Wasser knapp, Probleme wie die Feinstaubbelastung in Großstädten werden sich weiter verschärfen und die Auswirkungen vergangener Hitzewellen lassen erahnen, was da auf uns zukommt.

UMS3192xWalter.inddJanuar 2016 (I) / Geiges, Lars / Marg, Stine / Walter, Franz: Pegida – Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft, 2015, transcript Verlag, Bielefeld.

Wenn sich Wissenschaft und Journalismus paaren kann das sehr unterhaltsam sein. Doch wenn es um ein Phänomen wie Pegida geht, ist das kein Spaß; vor allem dann nicht, wenn diese Bewegung so anschaulich geschildert wird, wie in diesem Buch. Stellenweise hat man das Gefühl, dabei zu sein und kopfschüttelnd daneben zu stehen. Verständlich und genau wird hier eine Bewegung und ihre Anführer*innen beschrieben und man darf hoffen, dass diese Menschen und ihre politischen Arme in Deutschland niemals politische Verantwortung tragen werden.

elricDezember 2015 (II) / Moorcock, Michael: Elric von Melnibonée, 1984, Heyne, München.

Die Geschichte des Außenseiter-Königs Elric, der seine Macht rücksichtslos verteidigt und geplagt von moralischen Widersprüchen eine abenteuerliche, brutale und philosophische Reise beginnt. Ein Klassiker der Fantasy-Literatur.

214895-pub-portlet140x191Dezember 2015 (I) / Jacques, De Saint Victor: Die Antipolitischen, 2015, bpb, Bonn.

Ein kleines Büchlein über eine europäische Bürgerbewegung, die mithilfe des Internets und bekannten Persönlichkeiten an Fahrt gewinnt und etablierten Parteien und dem Parlamentarismus grundsätzlich misstraut. Ihre Forderung: mehr direkte Beteiligung, mehr Transparenz, mehr Demokratie – alles mit Hilfe des Internets. Mittlerweile erobert sie auch Parlamente. Doch wohin entwickeln sich diese Parteien? Und welche Gefahren bringen sie für die Demokratie?

Gaias RacheNovember 2015 (II) / Lovelock, James: Gaias Rache – Warum die Erde sich wehrt. 2007, Ullstein, Berlin.

Lehrreich und ernüchternd geht Lovelock auf die Ursachen und Folgen des Klimawandels ein. Der Verteidiger der ganzheitlichen Blickes auf den Planeten Erde (Gaia) hält nichts von erneuerbaren Energien. Für ihn ist es für die Rettung schon zu spät. Die schlimmsten Auswirkungen könnten nur noch gemildert werden – womöglich mit Geo-Engeneering. Nicht mehr Wachstum sei die Devise, sondern es gelte einen „geordneten Ruckzug“ anzutreten.

SchlachtfeldNovember 2015 (I) / Dyer, Gwynne: Schlachtfeld Erde – Klimakriege im 21. Jahrhundert.2010, Klett-Cotta, Stuttgart.

Der Militärexperte schreibt über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Konfliktherde dieser Welt. Wenn sich Wüsten ausbreiten, Flüsse austrocknen und Ernten ausbleiben, wird es mehr Kriege geben. Ein ernüchterndes und Angst einflößendes Buch.

GantenbeinOktober 2015 (II) / Max, Frisch: Mein Name sei Gantenbein, 1964, Suhrkamp, Frankfurt am Main.

Eines meiner absoluten LIeblingsbücher über Identität und gesellschaftliche Rollenzuschreibungen. Ein Blinder, der vorgibt, blind zu sein und so soziale Anerkennung erlangt. Kann man Identitäten anprobieren wie Kleider? Betrügen wir uns selbst, so dass unser Leben zu der Geschichte passt, die wir erzählen wollen, wenn wir gefragt werden, wer wir sind? Genial!

krebsgangOktober 2015 (I) / Grass, Günter: Im Krebsgang. Eine Novelle, 2002, Steidl-Verlag, Göttingen.

Die Feststellung, dass die Gegenwart das Kind der Vergangenheit ist, spiegelt sich in Romanen und Novellen besonders eindrucksvoll in Familiengeschichten. Der Untergang des Schiffes „Wilhelm Gustloff“, es waren 10.000 Menschen an Bord, umrankt hier einen Journalisten und seine Angehörigen. Eine Recherche wird zu einer historischen und persönlichen Herausforderung.

HochzeitSeptember 2015 (II) / Skármeta, Antonio: Die Hochzeit des Dichters, 1999, Piper, München.

Die Geschichte einer kleiner Insel ist gefühlvoll und witzig, also einfachköstlich inszeniert. Die Bewohner*innen sind liebenswert. Sie sind der Weltgeschichte und ihren Sehnsüchten ausgeliefert. Eine ihrer kleinen Freuden ist ein Tanz namens Turumba. Eine Strophe daraus lautet: „Der Mond über dem nächtlichen Meer, schaut durch die Wolken so barsch, und wenn ich dich heute nicht sehe, bin ich auch morgen am Arsch.“ Schnörkelos und ziemlich treffen.

radfahrerSeptember 2015 (I) / Skármeta, Antonio: Der Radfahrer vom San Christóbal, 1984, Piper, München.

In diesem Kurzgeschichtenband gibt es eine Geschichte namens „Die Goldmedaille“, die ich immer wieder gerne vorlese und empfehle. Sie handelt von einem kleinen Jungen, der in der Schule die Aufgabe gestellt bekommt, einen Aufsatz darüber zu schreiben, was seine Eltern zu Hause so machen. Denn die Diktatur Pinochets ist neugierig.

deradikalisierungAugust 2015 (II) / Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 29–31/2013), Deradikalisierung.

Alle reden von Terrorismus und Extremismus. Aber wir sollten auch von den Ursachen und der Chance der Deradikalisierung sprechen. Besondere Beachtung verdient der Artikel von Ulrich Dovermann mit dem Titel „Narrative und Gegen-Narrative im Prozess von Radikalisierung und Deradikalisierung“. Er geht der Frage nach, ob man den Ausführungen eines Neonazis überhaupt mit Argumenten begegnen kann.

teerbabyAugust 2015 (I) / Morrison, Toni: Teerbaby, 1994, Rowohlt, Hamburg.

Besser hätte ich es leider nicht schreiben können: „Teerbaby ist ein sehr ernster, mehrschichtiger und tief gehender Roman von Toni Morrison über die durch Vorurteile und stereotype Ängste verursachten Konflikte zwischen Rassen, Gesellschaftsklassen und den Geschlechtern.“ (Link zu einer lesenswerten Buchbesprechung)

Kein PlatzJuli 2015 (II) / Zimmerer, Jürgen (Hrsg.): Kein Platz an der Sonne – Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte. Campus Verlag, Frankfurt.

Was haben sonnige Palmstrände, dunkle Urwälder, der Kilimandscharo und der Sarotti-Mohr gemeinsam? Antwort: Sie sind Vorstellungswelten und Assoziationsauslöser, deren Ressonanzboden die deutsche Kolonialgeschichte ist. Wie sehr unsere kulturellen Alltagszustände postkolonial durchtränkt sind, zeigt dieser überaus lesenswerte Sammelband. Hunnenrede, Hottentotenwahlen, Albert Schweizer, die Askari, die deutsche Denkmalskultur – und dazwischen selbstverständlich auch Kaiser Wilhelm II. Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen.

Genazino_LiebesblödigkeitJuli 2015 (I) / Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, 2005, Hanser Verlag, München, Wien.

Innerlich zerrissen fürchtet sich der Protagonist in „Die Liebesblödigkeit“ vor seinem fortschreitenden Alter. Dabei wird er gepeinigt von Stützstrumpfhosen und seiner aufkommender Impotenz. Gleichzeitig hat der 52-Jährige eine beziehung mit zwei Frauen, die nichts voneinander wissen. Sie retten ihn vor Zivilisationekel, der Nichtdichkeit des Daseins, vor der Belanglosigkeit der Gespräche…

Mulisch_ProzedurJuni 2015 (II) / Mulisch, Harry: Die Prozedur, 2002, Rowohlt, Reinbeck.

Harry Mulisch hat Geburt und Tod in „Die Prozedur“ zu seinem Thema gemacht und ein Roman geschaffen, in dem Leben und Tod miteinander verwoben sind wie eine Doppelhelix. Besonders seine Schilderung einer Todgeburt und deren Folgen haben mich tief bewegt. (Jedes Jahr sterben allein in Deutschland 3000 Babys im Mutterleib.)

1.+belagerung+von+lissabonJuni 2015 (I) / Saramago, José: Geschichte der Belagerung von Lissabon, 1992, Rowohlt, Reinbeck.

José Saramago erzählt die Geschichte eines alleinstehenden Literaturkorrektors, der aus einer Laune heraus etwas für ihn Undenkbares tut: er verfälscht vorsätzlich ein Sachbuch über die Eroberung von Lissabon und gibt es seinem Verlag „korrigiert“ zurück. Was als Sabotage der Geschichte der portugisischen Staatsgründung beginnt, führt die Leserinnen und Leser in die Zeit des 2. Christenkreuzzugs und den ungehorsamen Korrektor schließlich zur großen Liebe seines Lebens.

verführtesMai 2015 (II) / Milosz, Czeslaw: Verführtes Denken, 1974, Frankfurt.

Als der Tod schon nahe war, dachte der Dichter bei sich. /
Es gab wohl keine Obsession und keine törichte Idee meiner Zeit, /
in die ich mich nicht Hals über Kopf gestürzt hätte. /
Man sollte mich in die Wanne setzen und /
mich so lange bürsten, /
bis der ganze Schmutz von mir abgewaschen ist. /
Und doch, gerade durch diesen Schmutz /
konnte ich ein Dichter des 20. Jahrhunderts sein. /
Und vielleicht wollte es der Herrgott so, damit ich ihm von Nutzen sei.

verführerMai 2015 (I) / Packard, Vance: Die geheimen Verführer – Der Griff nach dem Unbewussten in jedermann, 1971, West-Berlin.

Es sollte einem jeden Menschen bewusst sein, dass er ein Unterbewusstsein besitzt und das dieses missbraucht werden kann und missbraucht wird. Packard hat als einer der ersten darauf hingewiesen, wie Marketingstrategen das Unterbewusste in uns benutzen, um Entscheidungen zu manipulieren. Dieses Taschenbuch, dass ich auf einen Flohmarkt für 1 Euro erworben habe, enthält zahlreiche interessante Beispiele. Mich würde interessieren, wie eine zeitgemäße, dem aktuellen Stand der Manipulationsforschung entsprechende Auflage aussehen würde. Literaturhinweise nehme ich gerne entgegen.

franzenApril 2015 (II) / Franzen, Jonathan: Die 27ste Stadt, 2003, Reinbek.

Martin Probst ist ein unbescholtener Bauunternehmer mit Selbstbewusstsein und moralischen Prinzipien. Er hat eine großartige Familie und beruflichen Erfolg. Er ist ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft und fühlt sich der Gemeinschaft verpflichtet. Doch als seine Heimatstadt St. Louis eine neue Polizeipräsidentin gekommt, ändert sich alles. Eine Verschwörung beginnt und sie ist gnadenlos.

herzogApril 2015 (I) / Herzog, Lisa: Freiheit gehört nicht nur den Reichen – Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus, 2014, Bonn.

Ein Buch, das man jedem FDP-Mitglied als Pflichtlektüre unter den Weihnachtsbaum legen sollte. Frau Herzog beschäftigt sich mit der Frage, was Freiheit ist und wie Freiheit in und durch eine Marktwirtschaft beschränkt wird aber auch gefördert werden kann. Dabei fasst sie auch heiße Eisen an. Selten habe ich in einem Buch so viel angestrichen. Denkanstöße ohne Ende.

islamMärz 2015 (II) / Halm, Heinz: Der Islam, 2000, München.

Wer noch nicht wusste, dass der Islam keine Kirche hat, die Verse im Koran der Länge nach geordnet sind, was der Unterschied ist zwischen einem Kalifat und einem Sultanat und zwischem einem Muslim und einem Isalamisten, dem empfehle ich dieses kleine aber feine Einführungsbuch. Heinz Halm erklärt darin nicht nur Grundsätzliches über die Großreligion Islam, sondern weist auch darauf hin, dass er in seiner Geschichte nicht nur Expansiion, sondern seit 1498 vor allem Usurpation durch europäische Kolonialmächte erlebt hat.

King_zunderMärz 2015 (I) / King, Richard: Zunder reichts als Feuerholz, 1998, Frankfurt.

Ein Roman auf den ich allein nie gekommen wäre und den ich mit Hilfe eines Antiquariats erstehen musste. Eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne: schlicht, direkt und urkomisch.

Februar 2015 (II) / Bove, Emmanuel: Meine Freunde, 1981, Frankfurt.

boveLeidenschaftliches Hoffen und bittere Enttäuschung durchziehen das Werk des französischen Schriftstellers Emmanuel Bove. 1898 in Paris geboren ist Emmanuel Bove einer der bekanntesten Autoren der Moderne. Ein Klassiker, der durch klare Sprache und überzeugende Beschreibungen eine Atmosphäre dichtet, die dem Leser die Kehle zuschnürt. Seine Charaktere sind derart authentisch gezeichnet, dass der Leser unweigerlich denken muss: „Hoffentlich werde ich nicht so“, „Bitte Gott, lass mich nie so jemanden treffen oder gar heiraten.“

Es sind die kleinen Details, die in Emmanuel Boves Werk Schrecken verbreiten. In seinem Buch „Sein Vater und seine Tochter“ heißt es beispielsweise: „Körperliche Missbildungen fielen ihr sofort auf. Eine Art Grausamkeit trieb sie dazu, darüber zu lachen.“ Ob Privatleben oder Beruf, Boves Protagonisten werden von der Gesellschaft an den Ohren durch die Einsamkeit gezogen, in die Lüfte entführt, um auf dem Gipfel des Glücks fallen gelassen zu werden. Boves Protagonisten können nur reagieren. Agieren lässt die Welt nicht zu. Den Leser*innen, denen nichts anderes übrig bleibt als zuzuschauen, nehmen Anteil an dem Geschehen. Sie überkommt Mitleid und Ekel. Sie müssen sich die Frage stellen: Ist das Bove’sche Menschenbild wahrhaftig? Sind die Menschen

wirklich so verkommen? Lest und bildet euch ein eigenes Urteil.

Wir Neuen DeutschenFebruar 2015 (I) / Topçu, Özlem / Bota, Alice / Pham, Khuê: Wir neuen Deutschen – Wer wir sind und was wir wollen, 2012, Hamburg.

Drei Frauen, drei deutsche Migrationsgeschichten. Doch sie nennen sich nicht Migrantinnen oder Deutsche mit Migrationshintergrund, sondern Neudeutsche. Warum erklärt dieses Buch. „Egal, wie oft wir von Deutschen dafür gelobt werden, die Sprache so gut zu beherrschen oder so hervorragend integriert zu sein. Das Lob ist gut gemeint, aber es schmeichelt uns nicht. Es adressiert und als Ausländer, die wir nicht sind (…) Wir sind die Kinder unserer Eltern, aber auch Kinder dieses Landes.“

Das Unwort erklärt die UntatJanuar 2015 (II) / Virchow, Fabian (Hg): Das Unwort erklärt die Tat, 2015, Frankfurt am Main.

„Döner-Morde“; das Unwort des Jahres 2011 und noch mehr. Was passiert, wenn MigrantInnen in den Medien nicht als handelnde und konstruktive Personen (jenseits von Konklikten und Spannungsverhältnissen) gezeigt werden, sich Berichterstattung größtenteils in den Untiefen des Gefahren-Topos (Slums, Ghettos, Missbrauch des Asylrechts, terroristische Gefahr) bewegt und Journalist*innen zuviel Authoritätsgläubigkeit an den Tag legen, zeigt eine Studie der Otto-Bremer-Stiftung mit dem Titel: „Das Unwort erklärt die Untat“ (Zitat von Heribert Prantl). Nur zwei bis drei Prozent der Journalist*innen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Das hat Folgen. Denn die Art und Weise wie MigrantInnen in den Medien gezeigt werden, entscheidet mit darüber, ob sie als gesellschaftlich zugehörig wahrgenommen werden. Zitat aus der Studie: „Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Repräsentation der Opfer nur gelegentlich dazu beitrugen, sie als zu betrauernde Mitmenschen zu zeigen. Stattdessen wurden den Opfern und Angehörigen Plätze jenseits der Legalität zugeiesen. Sie wurden entlang ihr (zugeschriebenen) Nationalität als Nichtdazugehörige definiert.“

felliniJanuar 2015 (I) / Fellini, Federico: Aufsätze und Notizen, Diogenes Verlag, 1974, Zürich.

Der im Oktober 1993 verschiedene italienische Meisterregisseur schreibt in diesem Werk nicht nur darüber, wie er zum Film kam, sondern teilt mit seinen Leserinnen und Lesern seine Gedanken über politische, kulturelle, sprich: gesellschaftliche Sachverhalte. Sollte ein Film ein „happy end“ haben? Warum ist nach Fellini nichts so peinlich wie ein schlecht gemachter politischer Film? Und warum lässt sich ein Film in Worten kaum beschreiben? Für alle, die sich für den Film als künstlerisches Medium interessieren ist dieses Buch eine angenehme Lektüre. Für alle, die Fellini mögen und verehren, ist dieses Buch Pflicht.

DWundenezember 2014 (II) / John, Barbara: Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen. Was der NSU-Terror für die Opfer und Angehörigen bedeutet, 2014, Herder Verlag.

Dass in Deutschland eine Terrortruppe innerhalb von 10 Jahren 10 Menschen ermorden, drei Bombenanschläge und 15 Banküberfälle verüben konnte, ist unfassbar. Dieses Buch schildert die Ereignisse aus der Sicht der nächsten Angehöroigen der Opfer. Die erzählen von ihren Erfahrungen mit den ermittelnden Behörden, recherchierenden  JournalistInnen und angeblich mitfühlenden PolitikerInnen. Ein Armutszeignis und ein lauter Ruf nach Aufklärung. Ein Auszug: „In den folgenden Tagen hat die Polizei meine Wohnung auf den Kopf gestellt. Geschirr ging kaputt, die Wände waren mit Pulver beschmiert, um Fingerabdrücke zu suchen, alles war durcheinander. Meine Mutter und ich wurden immer wieder vernommen. Man hat meine Fingerabsrücke genommen und mir schließlich ein Schild umgehängt mit einer Nummer drauf und ein Foto gemacht (…) Sie haben mich behandelt wie eine Mörderin.“

Krieg der BarbarenDezember 2014 (I) / Maalouf, Armin: Der heilige Krieg der Barbaren, Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber. Eugen Diederichs Verlag, 1996, München.

„Maalouf schont niemanden, weder die fanatisierten Christen noch die oft zerstrittenen und zögerlichen Muslime, denen freilich viel größere Sympathie entgegengebracht wird. Des Menschen Größe und Niedrigkeit – unter diesem Nenner könnte man diese zwei Jahrhunderte nahöstlicher Politik, die allerdings tief in die Geschichte beider Kulturkreise hineingewirkt haben, zusammenfassen. Seltener Edelmut und Toleranz kontrastierten mit häufig bewiesener Bestialität, Größe des Glaubens mit dumpfestem Aberglauben.“ (Quelle: FAZ)

Klassismus_KemperNovember 2014 (II) / Kemper, Andreas; Weinbach, Heike: Klassismus – Eine Einführung“, 2009, Unrast-Verlag.

Diskriminierung wird oft eindimensional verstanden. Jemand ist entweder schwarz oder dick oder Türke oder Frau. Der Klassismusbegriff fügt diese Linien zusammen. Was ist mit schwarzen Frauen? Ertragen diese nicht mehr Diskriminierung als weiße Frauen? Wo liegen die Konfliktlinien? Dieses Buch eröffnet erhellende Perspektiven, den Diskriminierung ist immer mehrdimensional.

Miller SchweigemauerNovember 2014 (I) / Miller, Alice: „Abbruch der Schweigemauer“ 2003, Suhrkamp Taschenbuch Verlag.

Zitat: „Hitler kam, wie jedes Kind, unschuldig zur Welt, wurde von seinen Eltern, wie viele andere Kinder damals, destruktiv erzogen, und später hat er sich selbst zum Monster gemacht. Er war Überlebender einer Vernichtungsmaschinerie, die im Deutschland der Jahrhundertwende »Erziehung« genannt wurde und die ich als das verborgene KZ der Kindheit bezeichne, das nie erkannt werden darf.“

Jelinek_Die AusgesperrtenOktober 2014 (II) / Jelinek, Elfriede: „Die Ausgesperrten“ 1985, Rowohlt Taschenbuch.

Vier Freunde, die losziehen, um PassantInnen mit rücksichtsloser Gewalt auszurauben. Elfriede Jelinek zeigt deren familiäre Verhältnisse, ihre Gedanken, Hoffnungen und enttäuschte (Alp-)Träume in schonungsloser Offenheit. Meisterhaft. Hier die Beschreibung Jelineks eines Hallenbadzustands: „Man genießt die Sauberkeit, die noch durch den intensiven Chlorgeruch verstärkt ist, der sagt, ich töte alle Bazillen und Keime in mir vollständig ab. Nur vereinzeltes Sperma oder Lulu muß ich leider dem Filter überlassen. Auch unter die Hautoberfläche vermag ich nicht zu dringen, um dort den Haß und den Ekel abzutöten, die die jungen Menschen empfinden. Das Wasser schwappt in seinem ihm zugedachten Rahmen aus Porzellan hin und her, nur heraustreten kann es nicht aus seiner Umhüllung. Wie man ja auch nicht aus seiner Haut herauskann.“

selber denkenOktober 2014 (I) / Welzer, Harald: „Selber denken – Eine Anleitung zum Widerstand“, 2013, Fischer Verlag.

Beschimpfung und Auklärung; die Leserschaft dieses Buches muss einige unangenehme Wahrheiten ertragen (lernen). Aber es lohnt sich. In interessanten Geschichten und Anekdoten erzählt Harald Welzer hier Geschichten „Jenseits des Wachstums“, rechent mit „greenwashing“ ab und gibt einen Tipp, der intellektuell nachhaltigen Ertrag verspricht: „Selber denken!“ anstatt sich außen aus Bequemlichkeit infantilisieren zu lassen. Ein Buch gegen Hyperkonsum, Gier und die ökologische Ausbeutung des Planeten. Lesenswert.

AndorraSeptember 2014 (II) / Frisch, Max: „Andorra“, 1975, Suhrkamp.

„Sich von jemandem ein Bild machen“; das ist eine Redewendung, die mich, seit ich „Andorra“ kenne zusammenzucken lässt. „Weil du Jud bist“, „weil du Frau bist“, „weil du schwarz bist“; solche Zuschreibungen und Aberkennungen von Talenten sind es, die das ausgrenzende wesen von Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Antiziganismus ausmachen. Hätte ich Andorra nicht gelesen, würde ich das heute nicht so klar erkennen. Danke, Max Frisch.

September 2014 (I) / Defoe, Daniel: „Robinson Crusoe“, Amsterdam-Ausgabe aus dem Jahre 1726, Winkler-Verlag.

Robinson„Um mein Aussehen brauchte ich mich nicht viel zu kümmern, es war völlig belanglos, und so möchte ich auch nichts weiter darüber sagen.“ (Robinson Crusoe, Teil I) Ich habe das Buch gerne gelesen. Es ist abenteuerliche Unterhaltung auf hohem Niveau. Allerdings störte mich die Haltung, die Robinson gegenüber Freitag, annimmt bzw. die der Autor Robinson gegenüber Freitag annehmen lässt. Auf einer einsamen Insel erzieht ein Europäer einen Eingeborenen, gibt ihm wie einem Hund einen Namen und konvertiert ihn zum christlichen Glauben. Heutzutage könnte man dies getrost als rassistisch bezeichnen. Früher war das unerhört tolerant, weil Crusoe das Menschsein Freitag nicht abspricht, sondern ihn als Menschen zunehmend anerkennt.

hornbyAugust 2014 (II) / Hornby, Nick: „31 Songs“, 2003, Verlag Kiepenheuer und Witsch.

Ich bin ein Fan des Feuilleton. Wenn also jemand ein Buch schreibt über seine Lieblingssongs, die Texte gut geschrieben sind und noch dazu Persönliches und Hintergrundinformationen über den Autor und die Popgruppen enthalten, dann will ich das lesen. Wer wissen will, warum „I’m like a bird“ von Nelly Furtano und „Smoke“ von Ben Folds Five absolut hörenswert sind, lese dieses Buch und höre danach die Songs dazu, was riesig Spaß macht, wie ich finde.

UpdikeAugust 2014 (I) / Updike, John: „Wie war´s wirklich“, 2004, Rowohlt Verlag.

Ich mag gute Kurzgeschichten, weil sie sich für meinen Literaturabend eignen und in kurzer Zeit eine starke Wirkung entfalten. Sie sind so zusagen literarisch effizient. Updike hat eine fülle von solchen magischen Momenten geschrieben. Ein paar davon finden sich in diesem Erzählband. Aber Vorsicht, er ist nichts für verliebte IdealistInnen. Eher was für Leute, die gerne hinter die Fassaden bürgerlicher Wohlanständigkeit blicken.

DeutschlandalbumJuli 2014 (II) / Hacke, Axel: „Deutschlandalbum“, 2005, Kunstmann Verlag.

Ja, der Axel und seine Kolumnen und Momentaufnahmen. An diesem Buch konnte ich in der Stadtbücherei nicht vorbei gehen; auch wenn mich Bücher die der Frage „Was ist deutsch?“ nachgehen, eher abschrecken. Mit „Deutschlandalbum“ ist Hacke ein mit Geschichten illustriertes Reisebuch gelungen, das zu Herzen rührt. Absolut lesenswert.

BefreiungJuli 2014 (I) / Paech, Niko: „Befreiung vom Überfluss“, 2012, Oekom Verlag.

Bei AnhängerInnen der „Ich esse was ich will“ – und „Nach mir die Sintflut“-Fraktion hat sich der Umweltökonom Niko Paech mit diesem Buch unbeliebt gemacht. Eine Streitschrift darüber, wie weit Freiheit gehen darf, die Vorteile der „Postwachstumsökonomie“ und die politischen Weichenstellungen, welche die Ausbeutung des Planeten Erde zumindest nachhaltig begrenzen könnten.

gutes lebenJuni 2014 (II) / Schneidewind/Zahrnt (Hg.): „Damit gutes Leben einfacher wird“, 2013, Oekom Verlag.

Entrümpelung, Entflechtung, Entschleunigung und Entkommerzialisierung; das sind nur einige Tipps aus diesem sehr lesenswerten Buch. Hier gilt: „Weniger ist mehr!“ Zum Wohle der Umwelt und des persönlichen Glücks.

Handbuch der Inquisitoren

Juni 2014 (I) / Antunes, António Lobo: „Das Handbuch der Inquisitoren“, 1997, Luchterhand Verlag.

Wenn eine Diktatur endet, bleibt Düsteres zurück. Lobo Antunes verarbeitet diese Relikte in obsessiven Dialogen und legt die Schande schonungslos offen. Surrealistisch Kritik des Autoritären. Die Eliten, die von der Unterdrückung der Bevölkerung profitierten und die Passivität eines den eigenen Vorteil erhaschenden Bürgertums, stehen hier eindrucksvoll und genial vor Gericht.

Kehlmann_Unter_der_SonneMai 2014 (II) / Kehlmann, Daniel: „Unter der Sonne“, 1998, Deutike Verlag.

Über Menschen, die ihrem Alltag entfliehen (wollen) und in außergewöhnliche Situationen geraten; darüber handelt dieser Erzählband. So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Reaktionen. Erfahrung bedeutet Wachstum.

Mai 2014 (I) / Roth, Philip: „Verschwörung gegen Amerika“, 2Verschwörung gegen Amerika007, Rowolt Taschenbuch Verlag.

Was wäre wenn? Viele Bücher beschäftigen sich mit dieser Frage. Philip Roth fragt in seinem Buch „Was wäre gewesen, wenn?“ Was wäre (vielleicht) gewesen, wenn Charles Lindbergh im Jahr 1940 die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewonnen hätte? Am Beispiel einer jüdischen Familie zeigt der berühmte US-amerikanische Autor auf, wie der Antisemitismus, den Lindbergh verkörpert, erst kaum merklich und dann mit Wucht um sich greift. Die Außenpolitik der USA gegenüber Hitler ändert sich und die USA schließen mit Nazideutschland einen Nicht-Angriffspakt.

Haffner_Geschichte eines DeutschenMärz 2014 (II) / Haffner, Sebastian: „Geschichte eines Deutschen – Die Erinnerungen 1914 – 1933″, 2000, Deutsche Verlags-Anstalt.

In diesem Buch gibt es eine Szene, an die ich manchmal denken muss, wenn ich die Stadtbibliothek betrete. Haffner ist noch Jurastudent und lernt in einer Bibliothek als SA-Männer lautstark das Gebäude betreten und anfangen die Juden aus der Bibliothek zu werfen. Ein SA-Mann baut sich vor Haffner auf und fragt: „Sind die arisch?“ Und Haffner antwortet „Ja.“ In den Buch heißt es dann weiter: „Ich empfand einen Augenblick zu spät die Blamage, die Niederlage. Ich hatte ja gesagt! Nun ja, ich war ein Arier in Gottes Namen. Ich hatte nicht gelogen. Ich hatte nur viel Schlimmeres geschehen lassen. Welche Demütigung Fremden auf Befragen pünktlich zu erklären, ich sei arisch – worauf ich übrigens keinen Wert legte. Welche Schande, damit zu erkaufen, dass ich hier hinter meinem Aktenstück in Frieden gelassen würde! Überrumpelt auch jetzt noch! Versagt in der ersten Prüfung! Ich hätte mich ohrfeigen können.“ Auch das literarische Quartett beschäftigte sich mit der „Geschichte eines Deutschen“. Sehr sehenswert, wie ich finde.

virus-auto-072726091März 2014 (I) / Knoflacher, Hermann: „Virus Auto – Die Geschichte einer Zerstörung“, 2009, Ueberreuter Verlag.

Für Hermann Knoflacher ist das Auto ein Virus, der sich im Gehirn des Wirtes Mensch eingenistet hat. Dieser Virus sorge dafür, dass die Städte nicht nach den Bedürfnissen der Menschen, sondern den Bedürfnissen des Autos geformt werden – und zwar mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Steigende Umweltverschmutzung, hoher Ressourcenverbrauch, Gefährdung sozialer Beziehungen, die Verdrängung des öffentlichen Nahverkehrs, die Unwirtlichkeit unserer Städte, Gesundheitsrisiken, zahlreiche Unfallopfer; was für den Einzelnen ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit ist, ist für Knoflacher eine Geisel der Menschheit. Wer dieses Buch gelesen hat, sieht seine Stadt mit anderen Augen und lässt das Auto erst mal stehen.

Wolf_StoerfallFebruar 2014 (II) / Wolf, Christa: „Störfall – Nachrichten eines Tages“, 1987, Aufbau-Verlag.

Wenn ein Atomkraftwerk explodierte und eine gefährliche Wolke dei Welt bedroht; was denkt man dann? Wie sieht der Alltag aus? Wie definiert danach Fortschritt? Betrachtung von tiefer Intensität finden sich in dieser vielschichtigen Erzählung.

Zitat aus der Erzählung: „Wie merkwürdig, dass A-tom auf griechisch das gleiche heißt wie In-dividuum auf lateinisch: unspaltbar. Die diese Wörter erfanden, haben weder die Kernspaltung noch die Schizophrenie gekannt.“

0,1 Prozent

Februar 2014 (I) / Krysmanski, Hans-Jürgen: „0,1 % – Das Imperium der Milliardäre“, 2012, Westend Verlag.

Wenn man „0,1 Prozent“ liest, hat man unweigerlich das Gefühl, dass das Privatleben der Superreichen für das eigene Dasein eine größere Rolle spielt, als die Entscheidungen der eigenen Regierung. „Ein amerikanischer Präsident ist wahrscheinlich billiger zu haben als eine ordentliche Siebzig-Meter-Luxusmotorenjacht“, schreibt Krysmanski trocken. Der Soziologe stellt klar: Du kannst noch so geistreich, schön, edel und gut sein; der Reiche ist immer geistreicher, schöner, edler und besser, einfach weil sein Geld ihn stets aufwertet. Er selbst muss keine Eigenschaften haben, denn der Reiche kann Menschen mieten, die sie besitzen.

achebe. heimkehr in ein fremdes land

Januar 2014 (II) / Achebe, Chinua: Heimkehr in fremdes Land, 2002, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M.

Ein junger Nigerianer kehrt nach seinem Studium in England in seine Heimat zurück. Doch seine Ideale zerschellen an der Korruption und verkrusteten Traditionen.

Zitat aus dem Roman: „Ein Universitätsabschluss war der Stein der Weisen. Er verwandelte einen drittklassigen Angestellten mit hundertfünfzig Pfund im Jahr in einen Beamten im höheren Staatsdienst mit Dienstwagen und einer luxuriös eingerichteten Wohnung für lächerlich geringe Miete. Und diese Kluft, was Gehalt und Vergünstigungen anbelangte, besagte noch längst nicht alles. Einen europäischen Posten zu bekleiden war fast so gut, wie selbst ein Europäer zu sein. Es ließ einen Mann aus der Masse in eine Elite aufsteigen, deren small talk auf den Cocktailpartys sich nur um eine Frage drehte: Was macht dein Auto?“

Das Gesicht des AnderenJanuar 2014 (I) / Abe, Kobo: Das Gesicht des Anderen, 1992, Eichborn Verlag, Frankfurt a. M.

Ein Wissenschaftler, der sein Gesicht durch einen Unfall verloren hat, schafft sich ein neues Gesicht. Sein Ziel: er will als Fremder seine eigene Ehefrau verführen. Ein Lehrstück über Haut, Gesichter und Masken. Erinnert an Max Frisch und Kafka. Grandios.

Zitat aus dem Roman: „Die Qual des Eingesperrtseins liegt ja darin, dass man sich selber in keinem Augenblick entrinnen kann. Auch ich fühlte mich in mein Ich eingeschlossen wie in einem Sack und versuchte mich verzweifelt, mich herauszuwinden.“

Lenz_StadtgesprächDezember 2013 (II) / Lenz, Siegfried: Stadtgespräch, 1. Auflage 1965, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg.

Eine Geschichte über eine besetzten Stadt, eine Geiselnahme und über die Frage, wie weit der Widerstand gegen eine Besatzungsmacht gehen darf. Lenz wirft letztlich auch die Frage auf, was von der Wahrheit des Kriegsalltags in der Nachkriegszeit übrig bleibt.

Zitat aus dem Roman: „Wir sind alle Gefangene, jeder lebt in seinem Gefängnis: der eine mit, der andere ohne Wächter. Auch du bist in deinem Gefängnis, das sehe ich wohl und ich glaube auch zu verstehen, dass jeder Ausbruch nur in eine andere Gefangenschaft mündet. Deshalb unterwerfen wir uns lieber, denn jede Unterwerfung sichert und das Gleichgewicht.“ (Daniel)

Ledig_Vergeltung

Dezember 2013 (I) / Ledig, Gerd: Vergeltung, 1. Auflage 1956, Suhrkamp Verlag, Frankfurt.

Die Geschichte einer Bombennacht. Der blanke Horror in einer eindringlichen Sprache, welche die Leserschaft mitten auf die Straße für. Eine schreckliche Mahnung, deren Effekt dadurch gesteigert wird, dass auch die Bombenopfer selbst zu Wort kommen und aus ihrem Leben erzählen.

Zitat aus dem Roman: „Als die erste Bombe fiel, schleuderte der Luftdruck die toten Kinder gegen die Mauer. Sie waren vorgestern in einem Keller erstickt. Man hatte sich auf dem Friedhof gelegt, weil ihre Väter an der Front kämpften und man ihre Mütter erst suchen musste. Man fand nur noch eine. Aber die war unter den Trümmern zerquetscht. So sah die Vergeltung aus.“

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